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Do Khyi – Die Tibetdogge aus den Berichten Marco Polos

Tibetdoggen (auch als Tibetmastiffs oder Do Khyi bekannt) wurden lange als Vorfahren aller doggenartigen Hunde angesehen. Tatsächlich haben sie sich unabhängig vom europäischen Molossertyp entwickelt und stammen vom Mongolischen Wolf ab. Die wetterfesten Hirtenhunde mit dem goldenen Herz nehmen im Buddhismus eine besondere Rolle ein und leben bis heute in den Höhen des Himalayagebirges, wo sie unersetzliche Helfer sind.
Besonderheiten
  • Winter- und Sommerfell
  • An große Höhen angepasst
  • Wachhund, kein reiner Begleithund
  • Nicht sehr sportlich
  • Trägt eine Mähne

Rasseportrait: Tibetdogge

Aspekt Details
Andere Namen Tibetmastiff, Zàng áo (chinesisch), Do khyi (tibetanisch), Bhote Kukur (nepalesisch), Bhankhar (mongolisch), Bhotiya/Bakharwal (hindi)
Herkunft Tibet
Klassifikation Berghund
Größe Widerristhöhe bei Rüden mindestens 66 cm, bei Hündinnen mindestens 61 cm
Gewicht Nicht festgelegt, bis zu 75 kg sind möglich
Körperbau Etwas länger als hoch, kräftig ohne hervorstehende Muskeln
Augen Oval, mittelgroß und dunkel
Ohren Kurz behaarte Schlappohren
Fell & Farbe Hartes Stockhaar mit abstehendem Deckhaar, schwarz, blau oder gold, mit oder ohne Lohabzeichen
Besonderheiten Üppige Mähne am Hals
Charakter Intelligent, eigensinnig, wachsam, territorial
Pflege Fell täglich bürsten, haart und sabbert sehr viel
Gesundheit Hüftdysplasien und Epilepsie kommen erblich bedingt vor, verlangsamter Stoffwechsel
Zucht Kleine internationale Zuchtcommunity, es gibt gesunde und ungesunde Zuchtlinien in Europa

Reinrassige Tibetdoggen erkennen: Der Hirtenhund mit der breiten Mähne

Der Do Khiy ist groß, kräftig und mit starken Knochen ausgestattet. Man sieht ihm direkt an, dass er für die Arbeit in der Kälte geschaffen wurde. Im Sommer fällt die dichte Unterwolle aus und der Hund wirkt deutlich schlanker als im Winter. Der FCI-Rassestandard beschreibt ihn als majestätisch und imposant: Für Rüden ist eine Mindestgröße von 66 cm festgelegt, Hündinnen sollten am Widerrist mindestens 61 cm messen. Ein bestimmtes Gewicht wird nicht vorgegeben.

Eigenschaften

  • Der Kopf ist groß, breit und schwer, mit stark ausgeprägtem Hinterhauptstachel. Typisch ist eine Falte, die sich von oberhalb der Augen bis zu den Mundwinkeln zieht.
  • Vorn ist der breite Fang fast viereckig, er ist gut ausgefüllt und tief. Auch der Nasenschwamm ist breit und sollte möglichst dunkel gefärbt sein. Die Zähne stehen gerade und die Reihen greifen perfekt ineinander.
  • Die ovalen Augen stehen weit auseinander und sind leicht schräg eingesetzt. Sie sind mittelgroß und sollten möglichst dunkel gefärbt sein, der Ausdruck ist würdevoll.
  • Bei Aufmerksamkeit richten sich die Hängeohren nach vorn, die im Vergleich zum Körper eher kurz behaart sind.
  • Am kräftigen Hals steht das Deckhaar steif ab und bildet eine deutliche Mähne, die bis zum Hinterkopf und zu den Ohren reichen kann. Bei Rüden ist die Mähne etwas stärker ausgebildet als bei Hündinnen.
  • Der gerade und muskulöse Rücken geht in eine breite und ziemlich flache Kruppe über. Die gut gewölbten Rippen lassen den Brustkorb von vorn betrachtet herzförmig erscheinen und reichen tief bis zu den Ellenbogen.
  • Die Vorderhand steht gerade, mit gut gelagerten Schultern und starken Knochen. Vorn und hinten sind die Pfoten sehr groß, rund und kompakt. Hinten sind die Gliedmaßen sehr kraftvoll, ohne dass die Muskelpartien zu weit hervortreten. Das kräftige Sprunggelenk steht niedrig, Afterkrallen kommen vor.
  • Bei Aufregung und in der Bewegung wird die mittellange Rute lose über den Rücken gerollt getragen. Sie setzt sehr weit oben an und ist reichlich befedert.

Das wetterfeste Haar – mal spärlich, mal dicht

Die Haarmenge bei Tibetdoggen variiert je nach Jahreszeit und nach Geschlecht: Rüden sind viel üppiger behaart als Hündinnen und tragen meist eine gut sichtbare Mähne um den Hals. Das Stockhaar ist in den Wintermonaten sehr dicht, im Sommer fällt die Unterwolle zu einem großen Teil aus und die Hunde wirken deutlich schmaler. Das abstehende Deckhaar ist sehr fein und dünn, es fühlt sich aber hart an und bleibt auch nass in Form.

Farben: Je reiner, desto besser

  • Weiße Abzeichen sind nur in Form eines Sterns auf der Brust oder an den Pfoten zulässig.
  • Lohabzeichen kommen bei dunklen Fellfarben an den Augenbrauen, an den Läufen, an der Unterseite der Rute und am Fang vor.
  • Grundfarben sind Schwarz, Blau, Gold und Zobelfarben.

Die Geschichte der Tibetdogge – Warum macht dünne Luft der Rasse nichts aus?

Der Do Khyi wird von Mönchen und Viehtreibern im gesamten Himalaya-Gebiet gebraucht und ist bis heute in den tibetanischen Höhen über 3000 Meter anzutreffen. Im Vergleich zu anderen chinesischen Nutztieren hat sich die Rasse extrem schnell an die schwierigen Bedingungen in hohen Gebirgen angepasst: Es wurde festgestellt, dass neben Mongolischen Wölfen auch eine unbekannte indigene Wolfsspezies zur Entstehung der Rasse beigeragen hat. Die Fähigkeit, auch bei dünner Luft mit geringem Sauerstoffgehalt hart arbeiten zu können, hat der Do Khyi höchstwahrscheinlich von diesem unbekannten Himalayawolf geerbt.

Verwandtschaft mit europäischen Mastiffs und Doggen

Tibetmastiffs sind nicht mit allen heutigen Molossern verwandt, sie sind aber direkte Vorfahren europäischer Berghunde wie Bernhardiner, Patou und Berner Sennenhund und ferner auch von allen Houndtypen. Die Bezeichnung Tibetmastiff hat sich in Europa durchgesetzt, da sie Mastiffs äußerlich in einigen Punkten ähneln. Eine direkte Verbindung gibt es aber nicht, wie auch beim Tibetspaniel (der kein Spaniel ist) und beim Tibet Terrier (der kein Terrier ist).

Von Tibet in die ganze Welt

  • Do Khyis sind seit Jahrtausenden in der Mongolei verbreitet. Sie sind auch auf antiken Darstellungen vom Rad des Lebens zu finden, das seit mehr als 2500 Jahren eine wichtige Rolle im Buddhismus spielt.
  • Marco Polo bereiste China um 1271. In seinen Berichten wird die Tibetdogge erstmals detailliert beschrieben.
  • Zu Beginn des 20. Jahrhunderts importierte George V. die ersten Tibetdoggen nach England.
  • Seit den 1980ern wird der Tibetmastiff von engagierten Züchtern auf der ganzen Welt vermehrt. In Deutschland kommen jährlich etwa 20 Welpen zur Welt.

Das Wesen – Ein geborener Nachtwächter

Der Do Khyi wurde als Beschützer für Vieh und Familie gezüchtet und möchte dieser Aufgabe rund um die Uhr nachgehen. Halter und Züchter berichten, dass die Rasse nachts sehr wachsam ist. Jedes ungewöhnliche Geräusch wird verbellt. Für das Stadtleben in einer engen Wohnung ist der Berghund deshalb nicht geeignet. Familien mit großem Grundstück können den friedfertigen Wachhund mit der Mähne dafür problemlos mit Artgenossen und anderen Haustieren zusammen halten.

Typische Charakterzüge

  • Tagsüber schlafen die Nachtwächter viel und brauchen nur mäßig viel Bewegung, aber sehr viel Platz. Ihr Energielevel ist im Vergleich zu dem von europäischen Hütehunden recht niedrig.
  • Der ausgeprägte Schutzinstinkt zeigt sich besonders, wenn Fremde sich dem Grundstück nähern oder Besucher klingeln. Eine gute Erziehung ist sehr wichtig, damit niemand gefährdet wird. Im Schweizer Kanton Tessin ist die Haltung der Rasse wegen ihrer potenziellen Schärfe bewilligungspflichtig.
  • Do Khyis tolerieren Artgenossen im Haus, wenn sie sich unterordnen. Wenn sie nicht an das Zusammenleben mit anderen Tieren gewöhnt sind, ist die späte Vergesellschaftung jedoch schwierig.
  • Sie lieben Schnee und Kälte. Im europäischen Sommerklima verbingen sie die Tage meist ruhend im Schatten.
  • Fremde Tiere sollten sich dem Garten besser nicht nähern. Eindringlinge werden furchtlos in die Flucht geschlagen.
  • Der Tibetmastiff hat seinen eigenen Kopf und weiß sich durchzusetzen.
  • Draußen lässt der Wachhund sein tiefes, schallendes Bellen häufig erschallen. Direkte Nachbarn solltest Du vor der Anschaffung informieren.
  • Sein Territorialverhalten zeigt sich durch Reviermarkierungen und Einschüchterung von Fremden (Bellen, Knurren etc.). Kämpfe werden nicht provoziert.

Nichts für Anfänger: Die Erziehung

Tibetdoggen sind Arbeitshunde, die viel Erziehung brauchen. Der aktive Schutzinstinkt und das ausgeprägte Dominanzverhalten des Do Khyi erschweren die Sozialisierung. Halter sollten Erfahrung in der Erziehung großer Hunderassen mitbringen und ihren Welpen von Anfang an in einer Hundeschule ausbilden lassen.

Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung

  • Der Do Khyi braucht viel Platz zum Laufen und möchte auf dem Grundstück nach dem Rechten sehen. Es besteht kaum Fluchtgefahr, trotzdem sollte das Gelände eingezäunt sein, um Vorfälle mit Passanten und Tieren in der Nachbarschaft auszuschließen.
  • Berghunde fühlen sich in der Stadt nicht wohl. Nachbarn könnten außerdem schnell genervt vom häufigen Bellen sein.
  • Halter müssen sich als Rudeloberhaupt zu behaupten wissen.

Erziehungstipps für junge Tibetmastiffs

  • Die Sozialisierungsphase beginnt in der achten Lebenswoche. Soziales Verhalten unter Menschen und Tieren sollte in dieser Phase besonders intensiv geübt werden.
  • Artgenossen in allen Größen kann Dein Hund in der Welpenschule kennenlernen.
  • Mit aktivem Obedience Training solltest Du ab dem ersten Lebensjahr anfangen.
  • Zusätzlich kannst Du Deinen Vierbeiner unter professioneller Anleitung als Schutzhund ausbilden, damit er Gefahrensituationen noch besser von „“normalen““ Stresssituationen unterscheiden kann.

Pflege und Gesundheit: Viel Arbeit für ein langes Leben

Tibetmastiffs sind nicht ganz pflegeleicht, aus guter Zucht werden sie aber bis zu 16 Jahre alt. Das gilt jedoch nicht für alle Zuchtlinien: Durch Überzüchtung im Westen gibt es einige Linien, die nur etwa 10 Jahre alt werden und mit vielen Erbkrankheiten zu kämpfen haben. Um die Gesundheit der uralten Rasse zu erhalten, ist eine gute Auswahl von Zuchttieren deshalb wichtig.

Erbkrankheiten

  • Hüftdysplasien können auch bei heranwachsenden Hunden auftreten. Die schmerzhafte Fehlstellung kann nur operativ behandelt werden.
  • Epilepsie kommt bei der Rasse ebenfalls häufiger vor.
  • Do Khyis haben einen langsameren Stoffwechsel als andere Rassen. Medikamente sollten deshalb generell in etwas geringerer Dosis als bei anderen Hunden verabreicht werden. Sprich die Medikamentengabe immer mit einem Tierarzt ab, der sich mit dem Tibetmastiff auskennt.

Haare, Speichel und noch mehr Haare: Pflege und Putzaufwand

Einem Tibetmastiff musst Du im Haus täglich hinterherputzen: Wenn er getrunken hat, schlabbert er für Minuten große Wasserflecken und kleine Tropfen auf den Fußboden. Der weiche Fang ist außerdem nicht ganz sabberfrei. Er verliert das ganze Jahr über Fell, besonders in den Übergangszeiten. Wenn er im Frühling seine Unterwolle verliert, kommst Du nur mit ausgiebigem Bürsten gegen die riesigen Haarbüschel an.

Kleiner Tipp zur Entsorgung von Haaren

Vögel nutzen weiches Tierhaar zu gern zum Bauen ihrer Nester. Wenn Du im Frühjahr Haarbüschel und Pflanzensamen auslegst, kannst Du die örtlichen Singvögel beim Sammeln und Bauen beobachten.

Tibetdoggen Welpen vom Züchter kaufen – Gar nicht so leicht zu finden!

Die Rasse teilt sich regelrecht in gesunde und weniger gesunde Zuchtlinien. Beim Welpenkauf solltest Du Dich deshalb genau über die Zuchthunde und die Zuchtbedingungen informieren. „Billigangebote“ im Internet führen fast immer zu unseriösen Züchtern, die keine tierärztlichen Untersuchungen bei ihren Zuchthunden durchführen. Züchter mit VDH- oder FCI-Zertifikat werden regelmäßig überprüft und gelten als seriös – diese Zertifikate werden von Massenzüchtern nicht selten gefälscht! Es lohnt sich also immer, genau hinzusehen und auf ein paar Punkte zu achten:

Diese Kriterien sollten Züchter erfüllen

  • FCI- oder VDH-Zertifikat
  • Tierärztliche Gesundheitsnachweise für Zuchttiere (Zuchthunde müssen frei von Augenkrankheiten, Hauterkrankungen, Epilepsie und Gelenkproblemen sein).
  • Hündinnen werfen maximal alle zwei Jahre.
  • Der Stammbaum der Tiere sollte sich nachverfolgen lassen.

Hier findest Du Züchter in Deiner Nähe

  • Im VDH sind nur zwei Züchter gemeldet. Halter aus West- und Süddeutschland müssen lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen.
  • Der Klub für Tibetische Hunderassen e.V. listet insgesamt drei Züchter aus Deutschland.
  • Hier findest Du einen Do Khyi Züchter in Österreich.
  • Der Club Do Khyi Freunde Schweiz listet alle aktuellen Wurf- und Deckmeldungen in der Schweiz auf.

Fazit: Ein Berghund für den Familienhof

  • Der Do Khyi ist ein wachsamer Beschützer für die ganze Familie.
  • Die Erziehung des Dickkopfes ist nur etwas für erfahrene Hundehalter, die sich durchsetzen können.
  • Sein tiefes, schallendes Bellen lässt er draußen häufig erschallen.
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