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Schipperke – Kleiner Schäferhund mit großen Talenten

In Belgien gehören kleine, schwarze Schipperkes schon seit Jahrhunderten in jeden guten Haushalt: Die vielseitigen Haushelfer waren früher tatsächlich in fast jedem Haus in Brüssel zu finden, wo sie liebevoll Spitzke genannt wurden, obwohl sie nicht direkt mit Spitzen verwandt sind. Im Ratgeber zeigen wir Dir die vielen Talente des kleinsten europäischen Schäferhundes:
Besonderheiten
  • Sehr intelligent
  • Kann jagen
  • Kann Vieh hüten
  • Kann das Haus bewachen
  • Anhänglich und verträglich

Rasseportrait: Schipperke

Andere Namen Spitzke
Herkunft Belgien
Klassifikation Schäferhund
Größe Nicht festgelegt, meist unter 33 cm Widerristhöhe
Gewicht Ideal 4 – 7 kg, Toleranz 3 – 9 kg
Körperbau Quadratisch, stämmig, feine Knochen
Augen Mandelförmig und eher klein, Iris immer dunkel
Ohren Kleine, dreieckige Stehohren
Fell & Farbe Einfarbig schwarz
Besonderheiten Stummelrute und fehlende Rute kommen natürlich vor
Charakter Aktiv, wachsam, lieb zu Kindern, intelligent
Pflege Verliert regelmäßig die gesamte Unterwolle
Gesundheit MPS IIIB Mutation führt zu Nervenstörungen
Zucht In Europa nur in schwarz (reinrassig) oder bunte Mischlinge

Merkmale des Schipperke – Schwarzer Wolf im Kleinvormat

Der Schipperke ähnelt in vielen Punkten größeren Schäferhunden wie dem Groenendael Schäferhund oder dem schwarzen Deutschen Schäferhund – dabei erreicht er am Widerrist selten mehr als 33 cm Höhe. Die Körpergröße wird im FCI-Rassestandard nicht festgelegt, reinrassige Schipperkes sollten aber zwischen 4 und 7 kg wiegen (toleriert werden 3 bis 9 kg). Reinrassig kommt er nur in schwarz vor, in den Vereinigten Staaten wird er in allen Farben gezüchtet.

Der Standard

  • Der wolfsartige Kopf hat eine Keilform, wobei das Verhältnis zwischen Fang und Gesamtlänge etwa 2:5 beträgt. Augenbrauen und Jochbeinbogen sind mäßig gewölbt, Schädel und Fangoberlinie verlaufen parallel und der Stopp ist gut betont, aber nicht zu stark ausgeprägt.
  • Im Kiefer ist das Gebiss bei vielen Schipperkes nicht vollständig (einige Zähne fehlen), was in der Zucht keine Rolle spielt, solange die Zähne gesund und gut eingepflanzt sind. Nasenschwamm und Lefzen sind immer schwarz.
  • Die mandelförmigen Augen sind recht klein und haben einen schelmischen Ausdruck. Sie sind immer dunkel gefärbt, mit schwarzen Lidern.
  • Sehr bewegliche Stehohren verleihen den Hunden eine vielseitige Gesichtsmimik. Die Ohren sind dreieckig geformt, klein und weit oben ansetzend, dabei stehen sie aber nicht zu eng zusammen.
  • Der Körper ist quadratisch und gedrungen gebaut, mit muskulösem und gut abgesetztem Hals und vom Widerrist zur Kruppe hin leicht schräg abfallender Rückenlinie. Lenden und Kruppe sind kurz und breit, das gerundete Hinterteil wird im Rassestandard als Meerschweinchenhinterteil bezeichnet.
  • Vorder- und Hinterläufe sind im Vergleich zur Körperhöhe ausreichend lang und mit feinen Knochen ausgestattet. Vorn stehen die Läufe gerade und auf rundlichen Katzenpfoten, an den am Sprunggelenk gut gewinkelten Hinterläufen können die Zehen etwas länger sein.
  • Die buschige Rute kommt in vielen Variationen vor: Sie wird herabhängend oder über dem Rücken getragen und kann auch als Stummelrute vorkommen oder von Geburt an fehlen. Früher galt es in Belgien als chic, die Rute zu kupieren, heute ist diese Praktik aus gutem Grund verboten.

Fell und Farben: Wirklich immer schwarz?

Obwohl im FCI-Rassestandard festgelegt wird, dass reinrassige Schipperkes nur in schwarz vorkommen, werden sie in den USA auch in Creme, Rot, Braun, Aprikot, Weiß, Bicolor und Tricolor gezüchtet. Das zweischichtige Fell besteht aus wattiger Unterwolle und geradem, hartem Deckhaar, das nur an befederten Körperstellen leicht absteht und sonst anliegt (anders als bei Spitzen und ihren Verwandten).

Mal kurz, mal lang

  • Im Gesicht, an den Ohren und an den Vorderseiten der Läufe wächst das Haar sehr kurz.
  • Charaktereristisch (vor allem für Rüden) ist die üppige Mähne, die sich über Hals und Brust erstreckt und den Körper noch stämmiger erscheinen lässt.
  • Auch die Rückseiten der Läufe sind mit abstehenden Haaren befedert.

Die Geschichte des Schipperke: Ein Stadthund ohne Allüren

Schipperkes stammen wie die vier großen Belgischen Schäferhunde vom schwarzen Leuvenaa ab. Sie sind traditionelle Hunde von belgischen Handwerkern und waren besonders im 15. und 16. Jahrhundert überall in Brüssel zu finden. Schuster veranstalteten im St. Gorik Viertel in Brüssel die ersten dokumentierten Hundeshows mit ihren Schipperkes, die selbstgefertigte Leder- und Kupferhalsbänder zur Schau stellten.

Einsatzgebiete

  • Angeblich können Schipperkes Schafherden instinktiv ohne Training oder Anleitung zusammenhalten
  • In Brüssel wurden sie als Boots- und Angelhelfer eingesetzt (Ratten fangen, Fisch festhalten)
  • Sie hielten Ungeziefer fern
  • Ihr aktiver Wachinstinkt machte sie in armen und in reichen Haushalten unersetzich
  • Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie an der Front als Meldehunde benutzt, um Nachrichten zwischen belgischen Stützpunkten und Bunkern zu überbringen.

Woher kommt der Name Schipperke?

Fälschlicherweise wird Schipper in englischen Beschreibungen der Rasse oft mit „Schiffer“ verwechselt, da die kleinen Haushunde auch bei belgischen Binnenschiffern sehr beliebt waren. Tatsächlich lässt sich das flämische Wort eher mit Schäferchen übersetzen, was einfach einen kleinen Schäferhund meint. Auch die Brüsseler Bezeichnung Spitzke ist irreführend, da es sich nicht um einen Hund vom Spitztyp handelt, obwohl es viele Ähnlichkeiten mit dem Deutschen Spitz gibt.

Das Wesen des Schipperke – Kein Hund für Faulpelze

Der schwarze Hütehund hat Menschen schon immer bei der Arbeit begleitet. Er ist aufmerksam und sieht wie eine Katze bei allem zu, was sein Herrchen tut. Noch lieber hilft er aktiv mit – sein Energielevel ist sehr hoch und er braucht definitiv mehr Beschäftigung als andere Begleithunde in dieser Größenordnung. Als Stadthund hat er sich schon im Mittelalter bewährt: Der anpassungsfähige Vierbeiner lebt jeden Lebensstil mit, solange ihm ausreichend Abwechslung und Action geboten wird.

Typische Verhaltensweisen

  • Er bewacht alles, was seinem Herrchen gehört und wirft sich todesmutig dazwischen, wenn jemand ohne seine Erlaubnis zu nahe kommt oder Dinge nehmen will, die Dir gehören.
  • Seine Neugier überwiegt in vielen beängstigenden Situationen. Er möchte immer wissen, was los ist.
  • Mit seinem hellen Bellen zeigt er Ungewöhnlichkeiten sofort an.
  • Er verträgt sich mit Artgenossen, Katzen und Kindern in jedem Alter, wenn beide Seiten früh genug aneinander gewöhnt werden. Mit Kleineren geht er sanft um, bei Größeren wird er manchmal frech, aber nicht aggressiv.

Die Erziehung – Spielerische Raffinesse ist gefragt

Da der Schipperke über alle Maßen neugierig und verspielt ist und einfach nie genug Action bekommen kann, ist er für Halter mit Erfahrung in der Hundeerziehung sehr leicht zu trainieren. Auch Anfänger können seinen Spieltrieb leicht nutzen, um positive Verstärkung abseits von Futterbelohnungen nutzen zu können. Bei heranwachsenden Hündchen solltest Du allerdings darauf achten, dass der Welpe nicht überfordert wird – andernfalls spielen, toben und lernen kleine Schippis wortwörtlich bis zum Umfallen, was sich negativ auf das Wachstum und die Bildung eines gesunden Immunsystems auswirken könnte, wenn Du den Albernheiten keinen Riegel vorschiebst.

Dein Hund nervt? Beschäftige ihn mehr!

Ein gut ausgelasteter Hund nutzt die Zeit im Haus zum Fressen, Schlafen und Schmusen. Kleine Spielrunden werden hin und wieder eingefordert, wenn Dein Vierbeiner aber ständig winselnd vor dem Sofa steht oder andere destruktive Verhaltensweisen zeigt, dann ist ihm wahrscheinlich einfach zu langweilig und er weiß nicht, wohin mit seiner Energie. Tagsüber kann ein ausgewachsener Schipperke wie große Schäferhunde mehrere Stunden Sport treiben, ohne zu ermüden. Kommt Langeweile auf, versuche es mit einer der vielen Spielmöglichkeiten für so schlaue Fellnasen:

Hobbys für intelligente Hunde

  • Die Rasse ist für die Ausbildung zum Schutzhund, zum Assistenzhund oder zum Therapiehund geeignet.
  • Sie können hunderte Kommandos lernen und scheinen immer zu wissen, wovon Du gerade redest.
  • Spiele für Hütehunde wie Treibball sind anstrengend und geistig fordernd – genau richtig für kleine Energiebündel und leicht im Garten nachzubauen.
  • Auch auf Jagdspiele springt der Vierbeiner an. Wenn sein Jagdtrieb geschärft wird, besteht ohne Leine allerdings auch größere Fluchtgefahr.
  • Mit Artgenossen im Park freunden die schwarzen Blitze sich schnell an. Vierbeinige Freunde wittern sie manchmal auf hunderte Meter Entfernung.
  • Apportierspiele werden manchen kleinen Hunden schnell langweilig, andere neigen zur Ballsucht. Für kleine Renneinheiten zwischendurch sind Apportierspiele aber bestens geeignet.

Pflege und Gesundheit beim Schipperke – Gesunde Haltung ist das A und O

Eigentlich sind Schipperkes sehr robust und erreichen ein durchschnittliches Alter von 13 Jahren, vereinzelt werden Tiere auch 17 Jahre und älter. Abgesehen von einer einzigartigen Krankheit, die nur diese Rasse befällt, sind sie recht robust. Zu wenig oder zu viel körperliche Anstrengung, unnatürliche Bewegungen und eine schlechte Ernährung können zu Knochen- und Gelenkproblemen führen, von Hüftdysplasien und Patellaluxationen bis hin zu Bandscheibenproblemen.

MPS IIIB – Ein Risiko, das jeder Halter kennen sollte

MPS IIIB ist eine Genmutation, die nur beim Schipperke vorkommt und zu Schädigungen der Nerven führt. Die Symptome sind vergleichbar mit der Gaucher-Krankheit bei Menschen: Betroffene Hunde zeigen mit 2 bis 4 Jahren Gleichgewichtsstörungen und motorische Probleme bei der Interaktion mit Hindernissen, so fällt ihnen das Klettern, Springen und Umgehen von Objekten schwerer. Leider ist die Krankheit nicht behandelbar und kommt bei bis zu 15 % der Population vor.

Pflege für voluminöse Plüschmähnen

Das harte Schipperke-Fell ist pflegeleicht und verknotet sich kaum. Die Hunde verlieren aber das ganze Jahr über sehr viele Haare. Hin und wieder stoßen sie ihre gesamte Unterwolle ab – mit Bädern und regelmäßigem Bürsten kannst Du die Unterwolle sanft entfernen, damit nicht zu viele Haare in der Wohnung herumfliegen. Nach der Enthaarung wächst die Unterwolle innerhalb von wenigen Wochen nach.

Schipperke Welpen vom Züchter kaufen – In Deutschland einheitlich schwarz

Bei der Auswahl von Schipperke-Welpen geht es nicht um optische Merkmale, sondern nur um die persönliche Verbindung: In Europa sind Schipperkes immer schwarz. Wenn Du einen Welpen vom Züchter kaufst, macht es also nur Sinn, die Zuchtstelle zu besuchen und einen Hund auszusuchen, bei dem es funkt. Bunte Schipperkes gehören in den USA zum Rassestandard; hierzulande handelt es sich meistens um Schipperke-Spitz-Mischlinge, die hin und wieder von Hobbyzüchtern vermittelt werden.

Hier findest Du Züchter

  • In Deutschland ist der Verband für Deutsche Kleinhundezüchter e.V. für die Zucht der Rasse verantwortlich. Die meisten auf der Website aufgelisteten Züchter kommen aus NRW oder aus Süddeutschland.
  • Auch im Züchterverzeichnis des VDH findest Du einige Züchter, die sich über alle Bundesländer verteilen.
  • Die Website des belgischen Royal Schipperkes Club Belgie ist auch in deutscher Sprache abrufbar. Dort kannst Du aktuelle Deck- und Wurfmeldungen verfolgen und Kontakte zu Züchtern im Ausland knüpfen.

Der Züchtercheck

  • Um die rassetypische Mutation MPS IIIB auszuschließen, sollten Züchter entsprechende Gentests bei ihren Zuchthunden durchführen.
  • Da die Krankheit meist erst im Erwachsenenalter auftritt, sollten Rüden und Hündinnen nicht zu früh für die Zucht eingesetzt werden.
  • Der übliche Vorbesuch beim Züchter ist ein unvergessliches Erlebnis und die Chance, um den Züchter und die Verhältnisse der Zucht zu prüfen.

Fazit: Der Schipperke ist Haushund und Sportskanone in einem

  • Im Schipperke findest Du einen treuen Begleiter, der Dein Haus und den Garten bewacht oder es sich mit Dir in einer kleinen Wohnung bequem macht. Hauptsache, er kann tagsüber aktiv sein und nachts Sachen bewachen.
  • Vom starken Drang zur Verteidigung von ihm anvertrauten Gegenständen und Personen liest man in jeder Rassebeschreibung von Schipperke-Haltern. Trotzdem gilt das Energiebündel als leicht erziehbar und verträglich.
  • Beim Spielen ist er unermüdlich. Heranwachsende Schipperkes müssen manchmal ausgebremst werden, damit sie sich nicht überanstrengen.

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