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Mittelasiatischer Tazi – Seltene Rasse mit östlichem Charme

Der mittelasiatische Tazi ist ein wahrer Schatz der kasachischen Nomadenkultur. Optisch ist der elegante Windhund leicht mit dem persischen Saluki zu verwechseln, mit dem er fraglos sehr eng verwandt ist. Wir finden, dass die stark bedrohte Rasse unbedingt gerettet werden sollte, deshalb stellen wir sie kurz vor:
Besonderheiten
  • Genaue Herkunft unbekannt
  • Kein FCI-Standard
  • Jagd mit Steinadlern
  • Vom Aussterben bedroht
  • Keine deutschen Züchter aktiv

Rasseportrait: Mittelasiatischer Tazi

AspektDetails
Andere NamenTazy, Sredne-aziatskaja borzaja, Turkmenskaja borzaja, Казахская Тазы
HerkunftEhemalige Sowjetunion: Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan
KlassifikationJagdhund
GrößeWiderristhöhe mindestens 60 cm, bei Rüden bis zu 70 cm
Gewicht20 – 23 kg
KörperbauSchmal, sehnig, sichtbare Knochen an den Hüften, sehr muskulös
AugenGroß, rund und dunkel
OhrenWeit hinten ansetzende Hängeohren, werden nach hinten liegend getragen
Fell & FarbeKeine Unterwolle, leichte Befederung an den Ohren und an der Rute, alle einfarbigen Färbungen kommen vor, zweifarbig mit dunkler Schattierung
BesonderheitenTötet eigenständig Wild (Wolf)
CharakterIntelligent, lernwillig, sehr aktiv, selbstständig, furchtlos
GesundheitKeine Erbkrankheiten sind bekannt
ZuchtIn der EU nur gelegentliche Hobbyzuchten

Erkennungsmerkmale des Tazi – Wie unterscheidet man reinrassige Windhunde aus Osteuropa?

Für Tazis gibt es keinen europäischen Rassestandard, in Kasachstan werden sie jedoch als eigene Rasse geführt. Die regionalen Schläge lassen sich heute kaum voneinander unterscheiden und wurden in den letzten 100 Jahren stark untereinander vermischt. Deutsch- oder englischsprachige Standards existieren nicht, nur russische Beschreibungen geben Hinweis auf die vorallem in Kasachstan gepflegten Rassestandard. Generell werden die Windhunde bis heute eher aufgrund ihrer Gesundheit und Jagdfähigkeiten für die Zucht ausgewählt.

  • Chiwa Tazy
  • Krim Tazy
  • Kirgisischer Tazy
  • Horty Tazy
  • Brudy Tazy
  • Christopsov Tazy
  • Gorskie Tazy
  • Die Schläge werden heute nicht mehr reinrassig gezüchtet, sondern untereinander gekreuzt. Fast alle modernen Tazis tragen Horty und/oder Brudy Blut in sich.
  • Heute unterscheidet man die Rasse in den größeren kasachischen Schlag und den kleineren turkmenischen Schlag.
  • Shi-Tazis sind eine kleine Sonderform der kasachischen Tazis.

Größe und Gewicht

Am Widerrist gemessen sollten Rüden mindestens 60 cm groß sein, sie können bis zu 70 cm groß werden. Trotz ihrer stattlichen Größe sind sie sehr schlank und knochig gebaut und bringen nur etwa 20 bis 23 Kilogramm auf die Waage.

Rassebeschreibung laut kasachischem Standard

  • Der Kopf ist trocken, mit „“scharf““ geschnittenem Hinterkopf und sehr schmalem, keilförmigem Schädel.
  • Am Fang bilden sich keine Fältchen, die gesamte Schnauze wirkt lang, gerade und sehr schmal, wie es für alle Windhunde typisch ist. Der Stopp ist kaum ausgeprägt, sodass der Nasenrücken harmonisch in die Stirn übergeht. Der Nasenschwamm sollte immer schwarz oder zumindest dunkel gefärbt sein.
  • Die Hängeohren setzen am Hinterkopf an und liegen nahe beieinander. Sie sind gut befedert, jedoch nicht so ausgeprägt wie beim Saluki. Die Ohrlappen sind geformt wie schmale Dreiecke mit abgerundeter Spitze.
  • Laut Rassestandard sollten die Hunde „“schwarze, pralle Augen““ haben. Sie sind rund und so dunkel gefärbt, dass die Iris nur aus der Nähe auszumachen ist.
  • Ein besonders schönes Merkmal der Rasse ist der lange, schmale Hals, der in eine für Windhunde recht breite Brust übergeht, die sich nach vorn leicht verjüngt. Die Schultern sind muskulös und gut sichtbar.
  • Die obere Profillinie ist bei Rüden leicht gebuckelt, bei Hündinnen spricht man von einer „“Bank““, da ihre Wirbelsäule gerade verläuft. Herausstehende Hüftknochen sind auch bei gut gefütterten Hunden völlig normal.
  • An den Vorderläufen sind die Ellenbogen leicht nach außen gedreht. Insgesamt wirken die Läufe sehr sehnig und knochig, in Aktion zeichnet sich das Muskelspiel des Körpers anmutig ab. Die Hinterhand steht gerade, mit weit auseinanderstehenden Schenkeln.
  • Die Zehen stehen sehr eng und geben den Hunden im Stand mehr Halt. Mit ihrer sehnigen Verse und den starken Zehen wirken die Pfoten ähnlich wie Hasenpfoten.
  • Die trockene Rute sollte nicht viel dicker als ein Finger sein und ist an der Unterseite gut befedert. Sie wird meist sichelartig getragen.

Fell und Farben beim mittelasiatischen Windhund

Das Fell ist nicht besonders wärmend, aber laut Rassestandard von guter Qualität. Es ist wellig und eher seidig beschaffen, auffällig sind die Befederungen an der Rute und an den Ohren. Da es keine Unterwolle gibt, fühlt sich das Fell sehr weich und zart an. Hosen oder Befederungen an der Körperunterseite tauchen fast nie auf.

Diese Farben kommen häufig vor

  • Weiß
  • Schwarz
  • Grau, auch „“graue Aschefarbe““ mit gemischten Haaren
  • Schwarz und braun
  • Grau und braun
  • Hell – Vermutlich sind Falb- und Cremefarben gemeint
  • Stroh- oder Maisfarbe
  • Rot-Murugoyu – Rot mit schwarzen Schattierungen an den Läufen, am Rücken und an den Ohren
  • Rot-Mazurin – Rot mit schwarzer „“Zange““ (Maske?)
  • Burmatoy – Dunkler oder grauer Sattel am Rücken
  • Dunkle Burmatfärbung – Schokoladenbrauner oder hellbrauner Sattel
  • Chubar – Dunkel mit roten Abzeichen an den Wangen, an der Brust und an den Pfoten.

Enge Verwandte der Rasse

  • Saluki (persischer Ursprung)
  • Taigan (kirgisischer Ursprung)
  • Afghanischer Windhund

Ein wertvolles Erbe der kasachischen Kultur – Warum sterben Tazis aus?

Das Wort Тазы́ wird im russischen Sprachumfeld allgemein für Windhunde jeden Typs genutzt, dient aber auch als Rassebezeichnung für den среднеазиатская борзая, den zentralasiatischen Windhund. Der mittelasiatische Tazi wird in Europa nicht als eigenständige Hunderasse anerkannt und ist aus diesem Grund auch unter europäischen Hundefreunden völlig unbekannt. Schätzungsweise gibt es heute nur noch etwa 300 mittelasiatische Tazis in Kasachstan und wenige hundert Exemplare weltweit. Dabei steht die ehrwürdige Geschichte der Rasse anderen in nichts nach:

Die Entstehung der Tazis

  • Woher Tazis stammen, lässt sich heute nicht mehr genau klären. Es wird angenommen, dass sie sich als regionale Schläge aus Nachkommen von Salukis entwickelt haben. Die ältesten kasachischen Darstellungen und Erwähnungen von Windhunden im mittelasiatischen Raum gehen bis ins 12. Jahrhundert vor Christus zurück.
  • Als Ursprungsregion wird das moderne Südkasachstan genannt, vom Karatau-Gebirge bis zum Semirechye.
  • Seit Jahrhunderten begleiten Tazis mittelasiatische Nomadenstämme und sind deshalb perfekt an das Leben und Jagen in der Steppe angepasst. Sie werden seit jeher für ihre großartigen Jagdfähigkeiten geschätzt.
  • Ein Tazi wurde in der Antike mit einem Sklaven oder fast 50 Pferden aufgewogen. Die Hunde speisten ganze Familien und trugen maßgeblich zur Ernährung ihrer Besitzer bei. Im Gegensatz zu anderen Hunderassen durften Tazis deshalb schon im 18. Jahrhundert im Haus leben und genossen ein hohes Ansehen bei ihren Besitzern.
  • Erste offizielle Rassebeschreibungen wurden 1932 veröffentlicht. In den 1930ern startete auch die gezielte Zucht der Rasse als Wolfsjäger für Pelzmacher und Bauern. Damals wurde die Zahl der Tazis noch auf über 10.000 geschätzt.
  • Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die gezielte Tazi-Zucht fast vollständig eingestellt. Erst in den 1980er-Jahren starteten erneute Bemühungen zur Erhaltung der Rasse. Die kommerzielle Zucht wird seit 1996 betrieben, beschränkt sich aber fast ausschließlich auf Kasachstan.
  • Seit 2007 wird der Tuzy in Kasachstan als eigenständige Rasse mit modernem Rassestandard betrachtet.

Geschichten und Legenden rund um die zentralasiatischen Windhunde

Tazis ist für Kasachen etwas ganz Besonderes. „Ein Tazi füttert den ganzen Hof“, sagt man grob übersetzt noch heute in der Heimat der Tiere. Sie werden in Kasachstan so hoch geschätzt, dass man sie dort ungern als Hunde bezeichnet, sondern als höherstehende Familienmitglieder betrachtet. Zwei besondere Fähigkeiten der Windhunde verleihen ihren Menschen derartig viel Respekt vor ihnen:

Wolfsjäger

  • In den 1930ern erbeuteten Tazis etwa 50 % aller in Russland hergestellten Wolfsfelle.
  • Traditionell werden sie zusammen mit Steinadlern eingesetzt. Der Adler spürt das Wild auf, das danach vom Hund aufgespürt und getötet wird.
  • Tazis suchen und töten Wölfe völlig eigenständig, was viel Mut, Wendigkeit und Kraft erfordert.

Familienernährer

  • Tazis fangen Klein- und Großwild wie Rehe, Füchse, Dachse, Wölfe und Hasen.
  • Sie sind überaus eigenständig und bringen große Beute selst heim.
  • Einer kasachischen Legende zufolge kann man die Windhunde nicht kaufen, sondern nur in den Nestern bestimmter Enten finden. Wer ein Tazi-Ei findet, wird ein glückliches Leben haben, sagt man.

Wesen und Charakter des Tazi – Jagdhund mit Leidenschaft

Seit Jahrtausenden werden Windhunde anhand ihrer Jagdfähigkeiten für die Zucht ausgewählt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man den Jagdtrieb beim Tazi nicht einfach abtrainieren kann. Die Schönheiten mit der weichen Befederung werden kaum als reine Familienhunde gehalten – möchtest Du einen zentralasiatischen Windhund als Haushund halten, warten also viele Herausforderungen auf Dich. Da sie üblicherweise eng mit Menschen zusammenleben, dürfte die Erziehung eines Tazi-Welpens für erfahrene Hundehalter wenig problematisch sein.

Mit diesen Verhaltensweisen ist zu rechnen

  • Die Stadthaltung ist für Windhunde problematisch, da sie in Innenstädten kaum ihrem Bewegungsdrang nachkommen können.
  • Leinenführigkeit gehört nicht zu den Stärken der Hof- und Jagdhunde.
  • Sie sind intelligent und können auch komplizierte Jagdabläufe lernen.
  • Ihr Jagdtrieb ist sehr ausgeprägt. Wenn sie Wild wittern, verfolgen und töten sie es.
  • Sie sind eigenständig und bewegen sich gern frei im Haus und im Garten herum.
  • Halter in Indien beschreiben sie als sehr verspielt, dort gibt es jedoch keine reinrassigen Tajis.
  • Sie sind One-Man-Dogs und (nur) ihrem Halter treu ergeben.

Der mittelasiatische Windhund in der Familie

Alle Windhundrassen sind wegen ihres stark ausgeprägten Jagdtriebs und ihrer recht niedrigen Reizschwelle nur für erfahrene Hundehalter zu empfehlen. Das gilt auch für den Tazi, der in seiner Heimat bis heute für die traditionelle Jagd eingesetzt wird. Als Familienhund braucht er viel Auslauf und sinnvolle Beschäftigungen, damit er nicht unterfordert wird. Perfekt wären aktive Halter, die sich viel Zeit für ihren Vierbeiner nehmen und ihn an sportlichen Aktivitäten teilhaben lassen können.

Taziwelpen richtig erziehen: Jagen als Spiel

Bei der Erziehung von Jagdhundwelpen kannst Du den ausgeprägten Spieltrieb der kleinen Racker nutzen. Mit kleinen Futterbelohnungen machst Du jede Lektion im Alltag zum kleinen Spielchen. Um Bewegung und viel Zeit im Freien kommen Privathalter mit einem Taziwelpen nicht herum.

So wirst Du dem Bewegungsdrang von Windhunden gerecht

  • Hundesport (Windhundrennen/Coursing)
  • Reiten, Radfahren, Joggen oder Skaten mit vierbeiniger Begleitung
  • Wanderungen
  • Apportieren auf freiem Feld
  • Haltung nur in Erdgeschosswohnungen mit Zugang zum Garten.

Windhund ohne Leine führen – ein Tabu oder ein Muss?

Im Internet findet man viele Windhundhalter mit vielen unterschiedlichen Meinungen zur Leinenhaltung. Einem Tazi seinen Jagdtrieb abzutrainieren ist möglich, liegt aber nicht in der Natur der Tiere. Hundeexperten raten deshalb zur konsequenten Haltung mit Schleppleine oder Freilauf auf eingezäunten Wiesen.

Pflege und Gesundheit: Über mittelasiatische Tazis ist kaum etwas bekannt

Da Tazis in Europa eher unbekannt sind, liegen hierzulande auch kaum Daten zur Gesundheit vor. Die meisten Tiere werden heute noch als Nutzhunde gehalten – diese werden nach Leistungsfähigkeit und Gesundheit für die Zucht ausgewählt, was der allgemeinen Gesundheit einer Rasse immer zuträglich ist. Einige Krankheiten treten bei fast allen großen Hunderassen häufiger auf:

Auf diese Gesundheitsrisiken solltest Du bei der Haltung achten

  • Vor Gelenkproblemen wie Hüftdysplasien sind auch Tazis nicht geschützt. Mit einer schonenden Haltung (kein Treppensteigen, keine unnatürlichen Sprünge etc.) kannst Du Knochen- und Gelenkproblemen entgegenwirken.
  • Magendrehungen kommen bei allen großen Hunderassen häufig vor. Lasse Deinen Hund nicht mit vollem Magen Sport treiben, um das Risiko zu minimieren.

Fellpflege für weiche Fransen

Das kurze Fell verknotet sich kaum und muss nur aus kosmetischen Gründen gebürstet werden. Wenn Du Deinen vierbeinigen Freund regelmäßig durchbürstest, musst Du im Haus weniger Haare wegfegen oder saugen. Eine Hundejacke ist im Winter nur bei Nässe wirklich nötig, da das feine Fell ohne Unterwolle nicht vor Feuchtigkeit schützt. Solange Dein Hund sich draußen sportlich bewegt, wird er auch bei Minusgraden nicht zu schnell frieren.

Mitteleuropäische Tazi Welpen vom Züchter kaufen – In Deutschland eine Rarität

Für deutsche Halter ist es ohne Russischkenntnisse gar nicht so leicht, an einen reinrassigen Taziwelpen heranzukommen. In Deutschland und im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es keine Züchter der Rasse. Sehr selten (etwa ein-bis zweimal jährlich) werden in der EU Welpen aus Hobbyzuchten von Privathaltern vermittelt. Internetforen und Liebhaberseiten wie diese verfolgen das Zuchtgeschehen und können möglicherweise Kontakte zu Haltern mit Welpen herstellen.

Tazis aus dem Ausland einführen

  • Mit Russisch- und Englischkenntnissen findest Du in Onlineforen für Hundefans und auf Plattformen wie Instagram Halter des mittelasiatischen Tazis auf der ganzen Welt.
  • Es ist nicht ohne Weiteres möglich, Welpen aus der Ukraine, aus Weißrussland, aus Kasachstan oder aus Indien nach Deutschland zu bringen.

Folgende Bestimmungen müssen bei der Einfuhr aus Nicht-EU-Ländern eingehalten werden:

  • Halter fliegt mit (Privateinfuhr).
  • Eine Veterinärbescheinigung liegt vor.
  • Der Welpe wurde gegen Tollwut geimpft und eine Titerbestimmung durch ein EU-zugelassenes Labor wurde durchgeführt.
  • Nach der Titerfeststellung muss eine Wartezeit von 3 Monaten eingehalten werden.
  • Der Welpe ist gechipt oder tätowiert.
Hinweis: Wenn Du keine Zeit für einen dreimonatigen Urlaub im Ausland hast, benötigst Du also gute und zuverlässige internationale Kontakte. Dein Welpe erreicht sein finales Zuhause frühestens mit 7 Monaten.

Der Hund aus dem Ei – Fazit zum mittelasiatischen Tazi

  • Es ist nicht verwunderlich, dass der intelligente und leistungsfähige Wolfsjäger bis heute ein Symbol für Glück und ein reiches Leben geblieben ist. Auf Briefmarken und in Kunstwerken werden die edlen Hunde oft mit Steinfalken abgebildet.
  • Weltweit gibt es nur noch wenige hundert Exemplare der Rasse. Wenn Du einen gesunden Welpen großziehst, solltest Du darüber nachdenken, zur Erhaltung der Rasse beizutragen und Dich mit anderen Haltern zu vernetzen.
  • Für die westlich geprägte Haltung in der Stadt sind Tazis nicht geeignet. Sie sind sehr aktiv, brauchen sinnvolle Aufgaben und viel Bewegung.

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