Mastino Napoletano: Legionärshund der Römer als braver Familienfreund

Mastino Napoletano Dem Mastino Napoletano sieht man seine enge Verwandtschaft zu den Kriegshunden der Römer deutlich an. Heutzutage sind die faltigen Riesen auch in Italien selten. Als Wachhunde werden häufiger Cane Corsos eingesetzt, die direkt von den Mastinos abstammen. Um die Erhaltung und gesunde Züchtung der Rasse zu unterstützen, solltest Du Dich vor dem Kauf genau über den Mastino und aktuelle Schwierigkeiten bei der Haltung und Aufzucht informieren.
Besonderheiten
  • Starke Kopffalten
  • Listenhund in 5 Bundesländern
  • Wiegt bis zu 70 kg
  • Sabbert extrem
  • Treuer Wachhund

Rasseportrait: Mastino Napoletano

Andere Namen Neapoletan Mastiff, Neo, Neapolitanischer Mastiff, Italienische Dogge
Herkunft Italien
Klassifikation Doggenartige Hunde
Größe Widerristhöhe bei Rüden 65 – 75 cm, Hündinnen 60 – 68 cm
Gewicht Rüden 60 – 70 kg, Hündinnen 50 – 60 kg
Körperbau Länger als hoch, Bauch wenig aufgezogen, kräftige Lenden
Augen Klein, rund und gut eingesetzt, dunkel oder hell
Ohren Recht kleine Hängeohren
Fell & Farbe Kurzes, glattes Fell, einfarbig schwarz, grau, braun oder falb, auch gestromt
Besonderheiten Extreme Falten am Kopf, Doppelwamme
Charakter Ruhig, starker Schutztrieb, treu
Pflege Falten sauber halten, Augen und Ohren pflegen, gelegentlich bürsten
Gesundheit Viele Erbkrankheiten, Lebenserwartung hat sich seit 1946 halbiert
Zucht Von Überzüchtung geprägt, Würfe kommen per Kaiserschnitt zur Welt

Merkmale des Mastino Napoletano: das ist vom römischen Kriegshund geblieben

Molosser und ihre nahen Verwandten sind eindrucksvolle Erscheinungen. Auch der riesige Neapolitan Mastiff wirkt schon durch sein Äußeres einschüchternd. Obwohl er deutlich faltiger und weniger agil ist als die Kampf- und Kriegsmolosser der Römer, ähnelt er den Hunden aus antiken Darstellungen in vielen Punkten. Größe und Gewicht sind imposant: Rüden messen am Widerrist zwischen 65 und 75 cm, Hündinnen sind mit 60 bis 68 cm etwas kleiner. Ähnlich sieht es beim Gewicht aus: Rüden wiegen stattliche 60 bis 70 kg, Hündinnen sind mit 50 bis 60 kg deutlich leichter.

Mastino Napoletano

Rassestandard

  • Markant für die Rasse ist der wuchtige, breite Kopf, der zwischen den Ohren sehr flach ist. Die Jochbeinbögen treten stark hervor und das Stirnbein ist deutlich ausgeprägt, genau wie der Stopp. Zwischen den tiefen Kopffalten ist die Stirnfurche gut sichtbar.
  • Die Länge des kurzen Fangs entspricht etwa 1/3 der Kopflänge, außerdem ist er ungefähr so breit wie hoch. Von vorn betrachtet ist der Fang fast quadratisch, durch die stark herabhängenden Lefzen und die hängende Kehlhaut wirkt er aber langgezogen. Von oben betrachtet bilden die fleischigen Lefzen eine V-Form.
  • Der Nasenschwamm hebt sich farblich nicht vom einfarbigen Fell ab und kann schwarz, grau oder braun sein. Er überragt nicht die Begrenzungslinien der Lefzen und ist von vorn betrachtet massig, mit gut geöffneten Nasenlöchern.
  • Laut Rassestandard sollten die Augen nicht von Falten bedeckt sein und nicht zu tief im Schädel liegen. Die Realität sieht oft anders aus: Bei vielen Mastinos ist die eigentlich rundliche Augenform kaum noch erkennbar und die Lider hängen herunter.
  • Die Hängeohren sind verhältnismäßig klein und liegen dicht an den Wangen. Früher wurden die Ohren kupiert, diese Tierquälerei ist in Deutschland aber verboten und nicht mehr Teil des Rassestandards.
  • Der Hals ist eher kurz und kegelstumpfförmig. Am Unterkiefer bildet sich eine fleischige Doppelwamme, die nicht über die Halsmitte hinausgehen sollte.
  • Der Körper ist etwa 15 % länger als der Widerrist hoch ist. Von der Seite betrachtet wirkt er fast rechteckig, da an Lenden und Bauch Hautfalten herabhängen. Die Länge des breiten Rückens entspricht etwa 1/3 der Widerristhöhe. Die Lenden sind breit und gut bemuskelt, der Brustkorb ist geräumig und tief. Falten bilden sich bei den meisten Hunden bis hinter die Schultern.
  • Laut Rassestandard sollten die Vorderläufe lotrecht stehen. Sie sind sehr gut bemuskelt und haben kräftige Knochen, die Ellenbogen drehen sich weder nach innen noch nach außen. Die Winkeling der Hinterläufe wird im Rassestandard genau vorgegeben: Der Oberschenkel sollte in der Länge etwa 1/3 der Widerristhöhe entsprechen und im Winkel von 90 Grad zum Hüftknochen stehen, dabei ist er ungefähr 60 Grad geneigt. Der Unterschenkel ist etwas kürzer als der Oberschenkel und etwa 50 bis 55 Grad geneigt. Wichtig ist auch der Winkel zwischen Schienbein und Fußwurzel, der 140 bis 145 Grad betragen sollte.
  • Vorn sind die runden und kräftigen Pfoten etwas größer als hinten.
  • Am Ansatz ist die Rute beachtlich dick, zur Spitze hin verjüngt sie sich leicht. Sie reicht bis zum Sprunggelenk.

Fell und Farben

Die Rasse kommt in vielen verschiedenen Farben vor, es gibt aber keine Scheckung oder Lohabzeichen. Das einfarbige Fell ist kurz, glatt und sehr dicht, die Haare sollten nicht länger als 1,5 cm wachsen. Folgende Farben sind erlaubt:

  • Grau (rein oder bleigrau, toleriert wird auch taubengrau)
  • Schwarz
  • Braun (dunkelbraun bis haselnussbraun)
  • Falb (hellbraun bis isabell)
  • Gestromtes Fell kommt in allen Kombinationen vor
  • Reinrassige Mastino Napoletanos haben keine schwarze Maske wie viele andere Mastiffs und Molosser!

Die Geschichte der Molosser – So alt wie die moderne Kultur

Angeblich gehen die Ursprünge der Neapolitanischen Mastiffs bis zu den Römern zurück, doch auch in Rom wurden die kräftigen Kriegshunde einst importiert. In Rom dienten einfarbige Molosser zur blutigen Belustigung in Amphitheatern, wo sie große Wildtiere und Gladiatoren zur Strecke brachten (oder zur Strecke gebracht wurden). Sie wurden häufig in Showkämpfen eingesetzt, da sie leichter zu züchten und zu halten waren als Löwen, Bären oder Wölfe. Im Krieg wurden sie auch zur psychologischen Demoralisierung von feindlichen Truppen mitgeführt, sogar zu Kolonialisierungszeiten wurden sie noch wirksam zur Einschüchterung von indigenen Stämmen genutzt.

Der Zeitstrahl

  • Erste Darstellungen von Molossern finden sich auf Keramikobjekten aus der assyrischen und aus der altgriechischen Kultur. Wahrscheinlich brachten die Truppen von Alexander dem Großen faltige große Hunde aus Asien nach Griechenland.
  • Über See verbreiteten die kräftigen Hunde sich im 6. Jahrhundert vor Christus bis nach Großbritannien, wo die Kelten die heutigen Merkmale entwickelten: Einen Hund mit extrem kräftigen Kiefer, der große Säugetiere festhalten und töten kann.
  • Vor etwa 2000 Jahren trafen die Römer auf die Kriegshunde der Kelten und waren zutiefst beeindruckt, da sie größer, breiter und gefährlicher waren als ihre eigenen Hunde. Nach der Eroberung Großbritanniens verbreiteten sie sich im gesamten Römischen Reich.
  • Im Mittelalter wurden Saupacker zur Jagd auf Großwild und zum Festhalten von Schlachtvieh genutzt. An neapolitanischen Höfen entwickelten sich die heutigen Neos, die hauptsächlich als Schutz- und Wachhunde eingesetzt wurden.
  • Wie viele große Rassen starb der Neo im Zweiten Weltkrieg fast aus. Erst 1946 wurden wieder erste Exemplare ausgestellt und an Züchter aus der Schweiz und aus Rom verkauft, unter anderem ein Hund namens Guaglione, der als Stammvater der Rasse gilt und als Modell für den ersten Rassestandard diente.
  • In den 1990ern erreichte die Beliebtheit der Rasse ihren Höhepunkt, genau wie die masssive Überzüchtung der Rasse. Viele Zuchtlinien waren krank und die extrem ausgeprägten rassetypischen Merkmale schränkten die Gesundheit der Tiere immer mehr ein.
  • Heute ist der Mastino Neapoletano selten geworden, auch weil er in einigen Ländern als poteziell gefährliche Rasse gilt und nur unter strengen Voraussetzungen gehalten und gezüchtet werden darf.

Das Wesen: Gefährlich oder gemütlich?

Fragt man Halter nach ihren Erfahrungen mit dem Neo, kommt ein Thema sofort zur Sprache: Der ruhige Begleiter sabbert wirklich viel. Im Haus kommst Du nur mit einem kleinen Handtuch dagegen an, besonders nach dem Trinken plätschert viel Wasser aus dem Hängemaul. Abgesehen von hygienischer Nachlässigkeit ist der Riese mit dem Faltenkopf ein sanfter Geselle, der seine Familie tapfer beschützt. Für unerfahrene Halter ist er schon aufgrund seiner Größe nicht zu empfehlen – ein Vierbeiner, der so viel wiegt wie ein erwachsener Mensch, muss von einem selbstbewussten und ruhigen Halter geführt werden, der ihn an der Leine zurückhalten kann.

Vorteile und Probleme

  • Die Schutzhunde bewachen instinktiv Haus, Hof und vorallem die Familie. In Gefahrensituationen reagieren sie blitzschnell und sprinten flink.
  • Sie sind keine nervösen Wachhunde, vielmehr lassen sie sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Diese stoische Art wird manchmal als Sturheit interpretiert.
  • Da in vielen Bundesländern Wesenstests zu den Haltungsbedingungen für die Rasse gehören, sind die meisten Tiere sehr umgänglich und begegnen Fremden eher desineressiert als aggressiv.
  • Kinder im Haus werden zuverlässig beschützt und können die Geduld des Mastino Napoletano nicht ausreizen.

Was bedeutet „widerlegbar gefährlich“?

In einigen Bundesländern wird der Mastino Napoletano als möglicherweise gefährlich angesehen. Tatsächlich gab es einige Vorfälle in Italien und auch in Deutschland, bei denen Menschen ernsthaft durch die neapolitanischen Mastinos verletzt oder sogar getötet wurden. Beißt so ein 70-Kilogramm-Riese einmal zu, kann er Knochen brechen und ist nicht zu bändigen. Jeder Neo muss deshalb professionell ausgebildet werden und eine Wesensprüfung bestehen, damit er nicht als Kampfhund eingestuft wird.

Erziehung und Haltung: Nicht ohne Wesenstest

Die Sozialisierung eines Mastino Napoletano Welpens beginnt, sobald er die Augen öffnet und die Welt erkundet. Auch für kleine Faltenbabys sollten die gleichen Regeln gelten wie für ausgewachsene Hunde. Wenn Du Deinen Welpen am Tisch fütterst, wird es nahezu unmöglich, ihn als erwachsenen Rüden davon abzuhalten, Essen zu klauen. Lege Regeln und Grenzen deshalb früh fest und mache auch bei süßen Hundeblicken keine Ausnahmen. Die Rasse gilt allgemein als leicht erziehbar und folgsam – Ersthalter werden ohne Unterstützung durch einen Hundetrainer aber mit Sicherheit überfordert mit den sabbernden Riesen sein.

Was, wenn mein Hund durch die Wesensprüfung fällt?

  • Im Alter von etwa 1,5 Jahren müssen Neos in den meisten Bundesländern eine Wesensprüfung ablegen.
  • Wenn Aggressionspotenzial festgestellt wird, wird Dein Vierbeiner als gefährlich eingestuft und darf nur unter strengen Bedingungen gehalten werden.
  • Zu den Einschränkungen für Listenhunde gehören Maulkorbpflicht, Leinenpflicht und Zuchtverbot, Halter brauchen einen Sachkundenachweis.
  • Aktuelle Listenhundverordnungen in den einzelnen Bundesländern kannst Du hier nachsehen.

Beschäftigung für Riesenrassen

  • Welpen der Rasse wachsen sehr schnell und brauchen spezielles Futter. Sie sollten körperlich nicht überlastet werden und keine Treppen steigen.
  • Auch erwachsene Mastino Napoletanos haben es schwer beim Treppenlaufen. Die unnatürliche Haltung belastet Hüfte und Ellenbogen. Wir empfehlen deshalb dringend eine ebenerdige Haltung im großen Haus mit Garten.
  • Die großen Hunde mit den anfälligen Knochen sind nicht gerade für Ausdauersportarten geschaffen, trotzdem brauchen sie viel Auslauf und möchten beschäftigt werden.
  • Sie arbeiten lieber mit der Nase als mit den Augen. Mit Suchspielen und Kauspielzeug kannst Du Deinen Begleiter mit der nassen Nase auch im Haus beschäftigen.
  • Am liebsten streift der Mastino Napoletano frei auf einem (sicher eingezäunten!) Gelände herum. Lasse Fremde nie allein das Haus oder den Garten betreten, damit sie nicht mit unerwünschten Gästen verwechselt und angegriffen werden!

Gesundheit und Pflege: Ein kleines Problemkind mit großen Pfoten

Früher waren Neopolitanische Mastiffs robuste Wachhunde, die 12 Jahre und älter wurden. Heute liegt die Lebenserwartung nur noch zwischen 6 und 9 Jahren. Große Welpen in Verbindung mit einer schmalen Hüfte machen natürliche Geburten für Hündinnen nahezu unmöglich. Fast alle Welpen der Rasse werden deshalb per Kaiserschnitt geboren. Da es kaum Zuchtlinien gibt, die nicht von der Überzüchtung des Napoletanos betroffen sind, lassen sich einige gesundheitliche Probleme auch durch eine sorgsame Zuchtauswahl nicht vermeiden.

Diese Erbkrankheiten kommen häufig vor

  • Herzprobleme
  • Augenprobleme (chronische Entzündungen, Ektropium oder Entropium, oft sehr schmerzhaft)
  • Häufige Ohrenentzündungen
  • Verdauungsprobleme und Magendrehungen (Unverträglichkeiten)
  • Stoffwechselerkrankungen (Schilddrüsenüberfunktion oder Unterfunktion, Diabetes)
  • Allergien und Hautkrankheiten
  • Gelenkprobleme (Hüftdysplasie, Ellenbogendysplasie, Patellaluxation, Lähmugen)

Noch eine schlechte Nachricht für Hygiene-Fanatiker

Der Mastino Napoletano kann nicht nur sabbern, sondern auch furzen wie ein Weltmeister. Blähungen treten sehr häufig auf und können mit bestimmten Futtermitteln oder durch einen zu ausgefallenen Speiseplan auftreten. Sprich die Fütterungzeiten und -mengen mit einem Tierarzt ab, der sich mit der Rasse auskennt, und halte Dich strikt an den Ernährungsplan.

Mastino Napoletano Welpen vom Züchter kaufen – Ist der Kauf Tierquälerei?

Leider gehören Neapolitanische Mastiffs zu den Rassen, deren Zucht von Tierschützern generell kritisiert wird. Halter von überzüchteten Rassen wie Mops, Französische Bulldogge, English Bulldog und Neo werden häufig angefeindet, da die sogenannte Qualzucht der Hunde mit jedem Kauf unterstützt wird. Freunde des Mastino Napoletano argumentieren, dass die gesunde Züchtung und Erhaltung der Rasse unbedingt gefördert werden sollte, auch wenn sich die Zuchtlinien aktuell in einem eher schlechten Zustand befinden. Als echter Hundefreund solltest Du nie auf Welpenangebote im Internet eingehen und die Abgabestelle immer überprüfen.

Hier findest Du zertifizierte Züchter der Rasse

  • Im VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) sind nur drei Züchter aus Deutschland gemeldet.
  • Der Club für Molosser e.V. listet immerhin sechs deutsche Züchter. Dort kannst Du Deinen Vierbeiner auch als Deckrüden anbieten, wenn er kerngesund ist.
  • Auch in der Molosser-Vermittlungshilfe kannst Du Dich zur Anschaffung von Mastinos informieren und Kontakte knüpfen.

Checkliste für Züchter

  • Verantwortungsbewusste Züchter wählen nur gesunde Hunde, die keine Bewegungsschwierigkeiten haben. Mit tierärztlichen Bescheinigungen kann nachgewiesen werden, dass Zuchthunde frei von HD, ED und anderen häufigen Erbkrankheiten sind.
  • Hündinnen sollten nur einmal werfen.
  • Welpen kosten 2000 bis 5000 Euro. Der hohe Preis ergibt sich durch die tierärztlichen Voruntersuchungen, die hohen Versorgungskosten und die wahrscheinliche Kaiserschnittgeburt.
  • Die Falten dürfen bei Zuchthunden nicht so stark ausgeprägt sein, dass sie die Sicht oder die Bewegung der Fellnasen einschränken. Weniger ist mehr.

Fazit: Der Masino Napoletano ist wie ein weiteres Kind im Haus

  • Neos sind nicht pflegeleicht. Sie sabbern, furzen, haaren und haben einige gesundheitliche Probleme.
  • Ihr ausgeprägter Schutztrieb macht sie zu fähigen Wachhunden. Fremde sollten sich jedoch vor ihnen hüten!
  • Haltung, Pflege und Anschaffung gehen ins Budget. Für einen Neapolitanischen Mastiff brauchst Du Geld, Platz und Zeit.

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