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Kanaan-Hund – Die perfekte Mischung aus wild und zahm

Der Kanaan-Hund oder Canaan Dog ist Israels stolzer Nationalhund, der schon seit tausenden von Jahren als Pariahund in der Region um Jericho und Jerusalem lebt. Obwohl die Rasse erst in den 1930ern neu gezähmt wurde, gelten die schönen Vierbeiner mit dem urtypischen Aussehen als folgsam und leicht trainierbar. Weltweit gibt es nur wenige tausend Exemplare – im Ratgeber erfährst Du, warum die schönen Vierbeiner mit dem wilden Herzen unbedingt erhalten werden sollten.
Besonderheiten
  • Rüden viel größer als Hündinnen
  • Leicht trainierbar
  • Sehr wachsam
  • Sehr sportlich
  • Neigt zu Ängstlichkeit

Rasseportrait: Kanaan Hund

Andere Namen Canaan Dog, Israel-Spitz, Beduinenhund
Herkunft Mittlerer Osten (Israel/Palästina)
Größe 50 – 60 cm Widerristhöhe, Rüden deutlich größer als Hündinnen
Gewicht 18 – 25 kg
Körperbau Quadratisch, sehr muskulös
Augen Dunkel, leicht schräg eingesetzt, oval
Ohren Kleine, breite Stehohren (dreieckig)
Fell & Farbe Kurzes, dicht anliegendes Stockhaar
Besonderheiten Buschige Rute, wird im Bogen getragen
Charakter Folgsam, intelligent, unabhängig, aktiv, wachsam
Pflege Fell täglich zur Enthaarung bürsten
Gesundheit Keine Erbkrankheiten bekannt, Lebenserwartung bis zu 15 Jahre
Zucht Weltweit nur wenige seriöse Zuchtstellen

Das äußere Erscheiungsbild des Kanaan Hundes – Die Natürlichkeit in Person

Der Canaan Dog sieht wahrscheinlich so aus, wie sich die meisten Menschen einen Hund vorstellen: Er entspricht dem Urtyp, dem seine Verwandtschaft zum Wolf leicht anzusehen ist. Die Schnauze ist etwas spitzer und nicht so keilförmig wie bei alten Hütehundrassen. Kopf und Gesicht ähneln vom Typ her den Arktischen Rassen und anderen Pariahunden wie Neuguinea Singing Dog, Dingo, Basenji oder Thai Ridgeback (obwohl diese Rassen nicht miteinander verwandt sind). Laut FCI-Rassestandard sind Rüden deutlich größer als Hündinnen, im Schnitt messen sie 50 bis 60 cm am Widerrist. Das Gewicht sollte zwischen 18 und 25 kg liegen.

Merkmale

  • Der Kopf hat die Form eines stumpfen Keils, mit leicht abgeflachtem (und bei Rüden recht breitem) Schädel und flachem, aber sichtbarem Stopp. Die Gesichtszüge entsprechen dem weltweit verbreiteten Pariatyp, was vor allem am kräftigen Kiefer erkennbar ist.
  • Straffe Lefzen mit schwarzer Pigmentierung und ein schwarzer Nasenschwamm sind klare Erkennungszeichen von reinrassigen Canaan Dogs.
  • Leicht schräg eingesetzte Augen mit schwarzen Lidern umrahmt. Die Iris ist immer dunkelbraun.
  • Die Stehohren setzen nicht zu weit oben an und sind relativ kurz. Der Ansatz ist verhältnismäßig breit.
  • Der gesamte Körper ist sehr muskulös und quadratisch geformt. Kurze Lenden, ein ebenmäßiger Rücken und eine gut aufgezogene Bauchlinie verleihen dem Körper Profil.
  • Vorn und hinten sind die Läufe nur mäßig gewinkelt und mit gut ausgebildeten Muskeln besetzt. Sie werden von kräftigen Katzenpfoten mit starken Ballen getragen.
  • Die rundum mit buschigem Haar bewachsene Rute setzt weit oben an und wird in einem Bogen über dem Rücken getragen.

Fell und Farben: Halb wild, halb domestiziert

Das zweilagige Stockhaar des Kanaan-Hundes trotzt jedem Wetter. Unter dem kurzen, sehr dichten Deckhaar wächst reichlich Unterwolle, was kaum erkennbar ist, da die Haare glatt am Körper anliegen.

Nicht nur in Wüstenfarben zu finden

  • In der Zucht werden gelbliche bis rötliche Farbtöne bevorzugt: Sandfarben, Gold, Creme, Rot oder Rotbraun sind typische Farben. Die Unterseite des Körpers ist meist aufgehellt wie bei vielen anderen Pariahunden.
  • Auch bei schwarzer Fellfärbung kommen weiße Abzeichen vor, die sich wie beim Boston Terrier als Blesse auf der Stirn über den Fang und die Brust und die Körperunterseite ziehen können. Auch überwiegend weiße Hunde mit schwarzen Flecken sind in der Zucht willkommen.
  • Einfarbig weiße Kanaan-Hunde kommen ebenfalls vor.
  • Nicht zulässig sind die Färbungen Black-and-Tan, Grau, Gestromt und Tricolor. Diese Farben kommen nicht im Genpool reinrassiger Kanaan-Hunde vor.

Die Geschichte der Kanaan-Hunde – Biblische Streuner und Wächter

Wenn in der Bibel von Hunden erzählt wird, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Autoren von Kanaan-Hunde gesprochen haben. Der bisher älteste Fund von Überresten dieses Typs im heutigen Israel stammt aus dem 5. Jahrhundert vor Christus – hunderte Tiere auf dem antiken Tierfriedhof in Ashkelon sind Analysen zufolge Kanaan-Hunde. Wann sie verwilderten, ist nicht eindeutig geklärt. Klar ist, dass sie für viele Jahrhunderte wild in den Bergen des Mittleren Ostens lebten und in Israel, Palästina, Jordanien, Syrien, im Libanon und in Ägypten zu finden waren. Heute gibt es kaum noch wilde Populationen der Pariahunde in dem Gebiet, da sie teilweise gezielt ausgelöscht wurden, um Tollwutausbrüche in neuen Siedlungen einzuschränken.

Aufgaben des Beduinenschäferhundes

  • Vieh und Lager bewachen
  • Jagdhilfe für Belohnung (Fleischanteil)
  • Diebe und Wildtiere fernhalten

Die Zähmung eines alten Freundes

Erst in den 1930ern wurden die Kanaan-Hunde als Haushunde wiederentdeckt: Die Österreichische Kynologin Dr. Rudolphina Menzel ließ einige Welpen fangen und schaffte es innerhalb weniger Wochen, sie zu domestizieren. 1934 rief sie ein gezieltes Zuchtprogramm ins Leben und versuchte die Rasse in den 1940ern auf die Arbeit mit Blinden zu spezialisieren. Dafür erwiesen sie sich als zu klein und etwas zu wild – als Begleithunde waren sie aber (ganz anders als andere Pariarassen) von Anfang an bestens geeignet, was auf ihre weit zurückliegende Verbundenheit mit dem Menschen zurückzuführen sein könnte. Wilde Kanaan-Hunde wurden bis zu ihrem vollständigen Verschwinden in den 1970ern weiter gefangen und eingekreuzt.

Das Wesen: Wachsam aber nicht bissig

Charakterlich ähnelt der Kanaan-Hund den europäischen Spitzen: Er hat einen ausgeprägten Wachinstinkt und reagiert auf jedes ungewöhnliche Geräusch, dabei verhält er sich aber nicht aggressiv. Sowohl fremde Menschen als auch fremde Artgenossen werden auf Abstand gehalten. Der Jagdtrieb ist vorhanden, aber nicht zu stark ausgeprägt. Taucht ein Eichhörnchen im Garten auf, wird es lautstark vertrieben aber für gewöhnlich nicht angegriffen.

  • Intelligent
  • Sehr aktiv
  • Schnell gelangweilt
  • Skeptisch bei Fremden
  • Liebevoll im Familienkreis
  • Folgsam
  • Wachsam, aber nicht gefährlich
  • Hasst Neues und Ungewohntes

Im Freien – Ein Hund mit zwei Gesichtern

Im Freien dreht der Kanaan-Hund richtig auf und kann stundenlang herumlaufen und spielen. Wenn Du Dich länger mit ihm an einem Ort im Freien aufhältst, wird er unweigerlich anfangen, zu bellen: Wenn sich Passanten oder andere Hunde nähern, ein Flugzeug hörbar ist oder der Wind ihm nicht geheuer ist. Fehlt es ihm an Selbstbewusstsein, kann sich der Ausgang zur Stresssituation wenden, sobald etwas Unvorhergesehenes passiert.

Erziehung von jungen Kanaan-Hunden: Kopf hoch!

Die Sozialisierung spielt bei der Erziehung von Kanaan-Welpen eine entscheidende Rolle. Wenn Du Deinen Hund früh und konsequent an alltägliche Reize aller Art gewöhnst und in Stresssituationen richtig reagierst, wird ihn im Erwachsenenalter nichts mehr beunruhigen. Ein unterforderter Vierbeiner der Rasse entwickelt destruktive Verhaltensweisen: Überschüssige Energie lässt er durch unangebrachtes Jagen oder Bellen heraus, auch die Möbel sind nicht sicher, wenn er zu wenig beschäftigt wird. Ersthalter, die bereit sind, viel Zeit in die Erziehung ihres Begleiters zu investieren, werden mit einem Kanaan-Hund viel Freude haben.

Ängstlichkeit vermeiden mit Gewöhnungstraining

  • Die stolzen Hunde empfinden instinktiv Stress, wenn sie mit unbekannten Dingen und Situationen konfrontiert werden. Das bedeutet keinesfalls, dass Du Situationen vermeiden solltest, in denen Dein Hund sich unsicher zeigt. Im Gegenteil: Ruhe bewahren bei fremden Begegnungen und an fremden Orten gehört zu den wichtigsten Grundübungen für Welpen.
  • In einer Hundeschule in Deiner Nähe kann Dein Welpe den richtigen Umgang mit anderen Hunden und mit Menschen lernen.
  • Autofahren, das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und angstfreies Laufen an Straßen sollte ebenfalls früh geübt werden.

Ein Hund ist kein Hobby

Der intelligente Pariahund möchte täglich beschäftigt werden und braucht viel Auslauf. Er kommt auch allein gut klar, deshalb ist ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter sehr wichtig. Wenn er Dir nicht vertraut, wird er nicht gehorchen und bei jeder Gelegenheit flüchten. Für arbeitstätige Halter, die ihren Hund täglich für 6 Stunden oder mehr allein lassen, ist der eigensinnige Streuner deshalb ungeeignet.

Gesundheit und Pflege – Je ursprünglicher, desto gesünder

Bei uralten Rassen wie dem Kanaan-Hund kommen bisher keine Erbkrankheiten gehäuft vor. Das liegt an der natürlichen Selektion unter den verwilderten Wachhunden der Antike, die bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts die Genetik geprägt hat. Sie erreichen ein Alter von 12 bis 15 Jahren und bleiben meistens bis ins hohe Alter frei von Krankheiten, wenn sie vollständig gegen gängige Infektionskrankheiten geimpft sind und regelmäßig beim Tierarzt durchgecheckt werden.

Typische Krankheiten von aktiven Rassen

  • Sportliche und große Hunde leiden generell häufiger an Knochen- und Gelenkproblemen und sollten insbesondere während des Wachstums nicht überanstrengt werden.
  • Magendrehungen kommen am häufigsten vor, wenn nach einer großen Mahlzeit intensiver Sport folgt. Teile die Mahlzeiten auf und fahre sofort in eine Notfallklinik für Tiere, wenn Dein Hund nach dem Essen plötzlich starke Bauchschmerzsymptome zeigt.

Fellpflege für dichtes Doppelhaar

Viel Fell bedeutet viel Arbeit: Auch wenn das kurze und glatte Fell auf den ersten Blick pflegeleicht wirkt, muss der Kanaan-Hund täglich gebürstet werden. Andernfalls könnte es passieren, dass eine Schicht aus Haaren sich in Deiner Wohnung ausbreitet: Das harte, glatte Deckhaar hält sich in Textilien und auf unebenen Oberflächen ebenso hartnäckig wie die feinen, dünnen Härchen der Unterwolle.

Kanaan-Welpen vom Züchter kaufen: Stell Dich auf Wartezeit ein

Die bildschöne, folgsame und interessante Rasse hat einen Haken: Von den domestizierten Kanaan-Hunden gibt es weltweit nur ein paar tausend Exemplare. In Deutschland widmet sich nur der Club für Nordische Hunde e.V. der Zucht von Rassen des Urtyps, dort ist jedoch nur ein Züchter gemeldet. Auch im Züchterverzeichnis des VDH ist nur diese Zuchtstelle gelistet. Auf dieser Website konnten wir weitere Adressen von Canaan Dog Züchtern in der Schweiz, in Italien und in Slowenien ausfindig machen.

Kanaan-Mischlinge aus dem Internet

Aufgrund der Seltenheit der gesunden Rasse bieten Halter ihre Rüden und Hündinnen öfter für Verpaarungen „“in der Nachbarschaft““ an. Kanaan-Schäferhund-Mischlinge oder Kanaan-Spitz-Mischlinge bleiben meist sehr robust und aktiv, damit das so bleibt, sollten die Tiere vor der Verpaarung aber tierärztlich untersucht werden. Aufgepasst bei Internet-Käufen: Kanaans bringen gute Preise und werden deshalb auch illegal gehandelt, meist zum Leidwesen der Hunde und ihrer Gesundheit.

Checkliste: Ist der Welpe wirklich reinrassig?

  • Um herauszufinden, ob Dein Welpe wirklich reinrassig und zuchtfähig ist, musst Du Dir beide Eltern mitsamt Stammbaum ansehen.
  • Ein typisches Rassemerkmal ist die buschige, lange Rute, die bei rötlich gefärbten Exemplaren an eine Fuchsrute erinnert. Bei Schäferhunden hängt die Befederung eher herunter, bei europäischen Spitzen ist sie noch buschiger und länger.
  • Prüfe den Züchter vor dem Kauf: Dürfen Eltern und Welpen besucht werden und sind alle Tiere geimpft und tierärztlich untersucht worden? Verhält sich die Mutter scheu oder verängstigt und sind die Welpen alt genug für die Abgabe?
  • Reinrassige Kanaans kosten 2000 Euro und mehr (Grenze nach oben offen, je nach Färbung). Der Preis ergibt sich durch die geringe Anzahl an Zuchthunden: Züchter müssen sich international vernetzen, um passende Deckrüden und Hündinnen zu finden, damit der Genpool vielfältig und gesund bleibt.

Fazit: Der Kanaan-Hund ist glücklich als Begleithund

  • Der Kanaan-Hund ist ein überraschend leicht erziehbarer Pariahund, der seine Eigenständigkeit trotzdem nicht verloren hat. Wird er vernachlässigt, lebt er unabhängig in der Nähe seiner Menschen und lässt sich nichts sagen.
  • Als antiker Wachhund ist er recht schreckhaft und zeigt jede Ungewöhnlichkeit an. Nur mit guter Erziehung kannst Du Stressbildung in ungewohnten Situationen vermeiden.
  • Fremden Tieren oder Menschen begegnet er mit Misstrauen. Freundschaften entstehen sehr langsam, seinen Gefährten ist der Beduinenhund aber treu ergeben.

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