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Der Grönlandhund – im mitteleuropäischen Klima eine Seltenheit

Grönlandhund 04 Grönlandhunde gehören zu den arktischen Rassen, die ursprünglich aus dem Norden Asiens stammen und sich von dort über die Beringstraße über den amerikanischen Kontinent und Grönland ausbreiteten. Der starke Schlittenhund arbeitet in seiner Heimat nur im Winter und spart in den Sommermonaten Energie – schaffst Du Dir einen Welpen an, wirst Du also unweigerlich zum Wintersportler.
Besonderheiten
  • Genetisch identisch mit Canadian Eskimo Dog
  • Liebt die Kälte
  • Starker Arbeitshund
  • Traditioneller Schlittenhund
  • Aktiver Jagdtrieb

Rasseportrait: Grönlandhund

AspektDetails
Andere NamenKalaallit Qimmiat, Grønlandshund, Greenland Dog
HerkunftGrönland
KlassifikationSchlittenhund
GrößeIdealgröße für Rüden 60 cm, für Hündinnen 55 cm (gemessen am Widerrist)
GewichtNicht festgelegt
KörperbauKräftige Läufe mit viel Schub, breiter Rücken
AugenLeicht schräg gestellt mit offenem Ausdruck
OhrenKleine dreieckige Stehohren
Fell & FarbeAlle Farben sind zulässig; einfarbig, particolor und tricolor
BesonderheitenFrostgeschütztes Fell
CharakterFreundlich zu Menschen, anhänglich, gruppenorientiert, arbeitswillig
PflegeFell nicht trimmen oder scheren
GesundheitRobuste Rasse
ZuchtWartelisten sind normal (wenige Züchter in Europa)

Das Aussehen des nordischen Spitzhundes – Huskys mit individueller Färbung

Grönlandhund 04

Der Grönlandhund kommt in allen Farben vor und ist mit einer durchschnittlichen Widerristhöhe von 60 cm für Rüden und 55 cm für Hündinnen etwas kleiner als der Alaskan Malamute und etwas größer und stämmiger als der Siberian Husky. Im amerikanischen Rassestandard wird eine Varietät von 58 bis 68 cm für Rüden und 51 bis 61 cm für Hündinnen angegeben. Ein spezifisches Gewicht wird im Rassestandard nicht festgelegt, da das Gewicht abhängig von Geschlecht und Trainingszustand stark variieren kann.

Unterschiede zu anderen Arktishunden im Überblick

  • Vom Canadian Eskimo Dog ist er äußerlich kaum zu unterscheiden, weshalb in Grönland sorgfältig darauf geachtet wird, dass die Rasse reinblütig bleibt.
  • Der Grönlandhund ist schwerer und muskulöser als Schlittenhunde, die für Geschwindigkeit gezüchtet wurden.
  • Siberian Huskys sind im Vergleich deutlich kleiner und schmaler.
  • Der Alaskan Malamute hat immer dunkle Augen und einen freundlicheren Ausdruck im Gesicht als der Grönländer.
  • Der Yakutskaya Laika (Jakutenhund) ist kleiner und wendiger als die amerikanischen, kanadischen und grönländischen Huskys.

Der Grönlandhund vom Kopf bis zur Rute

  • Der Kopf ist nicht so mächtig wie beim Malamute, trotzdem breit und tief mit ausgeprägtem Stopp.
  • Der Fang verjüngt sich zur Nase hin leicht, läuft aber nicht spitz zu. Die Farbe des großen und weit geöffneten Nasenschwamms sollte im Sommer immer zur Fellfarbe passen und darf sich im Winter aufhellen (Winternase).
  • Aus den Augen soll ein offener, kühner Ausdruck abzulesen sein. Sie sind leicht schräg gestellt und die Augenlider liegen gut an.
  • Die dreieckigen Stehohren sind eher klein und an den Spitzen abgerundet, sie sind sehr beweglich und zeigen die Haltung des Hundes deutlich an.
  • Hals und Körper sind besonders kräftig und eher kurz, der Körper ist kaum länger als hoch. Über den breiten Lenden fällt die Kruppe leicht ab und die Brust reicht tief, sollte aber nicht tonnenförmig wirken.
  • Kräftige Vorder- und Hinterbeine stehen vollkommen gerade. Das Sprunggelenk an den Hinterläufen ist nur mäßig gewinkelt.
  • Die Rute setzt hoch an und ist sehr buschig behaart. Sie wird stets über dem Rücken getragen, entweder bogenförmig oder eingerollt.

Stockhaar für kalte Winter

Das zweischichtige Fell besteht aus grob strukturiertem, glattem Deckhaar und einer dichten, weichen Unterwolle. Es sollte niemals lang sein, wächst am Körper und besonders um den Nacken aber etwas länger als an den Läufen und im Gesicht. Eine Ausnahme bildet die sehr buschig behaarte Rute.

Diese Farben kommen häufig vor

Alle Färbungen sind im Rassestandard zugelassen, sowohl einfarbig als auch mehrfarbig. Ausgenommen sind Albinofärbungen und Merlefärbungen, da diese auf Gendefekte zurückzuführen sind und gesundheitliche Einschränkungen nach sich ziehen. Dilutefarben kommen seltener vor, sind aber erlaubt.

  • Schwarz
  • Rot bis hellbraun
  • Blau
  • Grau von dunkelgrau bis hellgrau
  • Braun, von Chocolate bis Cream
  • Gold oder gelb
  • Weiß
  • Zobel (grau/braun)
  • Alle Farben können einfarbig oder kombiniert vorkommen, meist mit dunkleren Schattierungen am Kopf, an der Rute und am Rücken
  • Auch scharf abgegrenzte Scheckungen kommen in allen Größen vor (Mantel, Sattel oder farbig mit hellen Abzeichen an den Pfoten, im Gesicht, an der Körperunterseite oder an der Rutenspitze
  • Eine dunkle Maske im Gesicht ist ebenfalls erlaubt
  • Rassetypisch ist der sogenannte úlo Fleck im Nacken, der durch seine dreieckige Form auffällt (nicht bei allen Farben vorhanden).

Grönlandhund 03

Die Geschichte der Grönlandhunde – Expeditionshelfer im unberührten Eis

Hunde sind in der Innuit-Kultur unverzichtbare Begleiter, die das Überleben der Familie sichern und als Transportmittel dienen. Die arktischen Vierbeiner machten die Besiedlung des amerikanischen Kontinents überhaupt erst möglich: Vor etwa 4000 Jahren brachten erste Siedler aus Sibirien Vorfahren der heutigen Greenland Dogs, Canadian Eskimo Dogs und Alaskan Malamutes mit auf den neuen Kontinent. Seither leben die Rassen so gut wie isoliert und haben sich in hunderten Jahren kaum genetisch verändert.

Genetische Fakten zur Rasse

  • Der Greenland Dog und der Canadian Eskimo Dog sind genetisch identisch, sie dürfen aber nicht untereinander verpaart werden.
  • Der Malamute ist etwa zur gleichen Zeit in Alaska entstanden. Alle drei Rassen teilen die gleichen Vorfahren (Jakutenhunde).
  • Siberian Huskys sind nicht direkt mit den Grönlandhunden verwandt und erst nach dem Beginn der modernen Rassezucht entstanden.
  • Alle arktischen Rassen gehen auf eine ausgestorbene Wolfspopulation in Asien zurück, die mit den heutigen Wölfen nicht direkt verwandt ist.

Treuer Begleiter in rauer Umgebung

  • Die Greenland Dogs leben seit jeher in enger Verbindung mit dem Menschen. In den Zeltlagern und Igludörfern der Innuit in Russland und Amerika bewegten sie sich frei umher und jagten selbstständig.
  • Sie dienten hauptsächlich zum Ziehen von Lasten.
  • Eisbären und Seelöwen wurden selbstständig gejagt und erlegt.
  • Auf langen Reisen wurden mehr Hunde als zum Ziehen nötig mitgenommen, um sie unterwegs als Nahrungsquelle für Mensch und Tier zu verwenden, wie es auch bei der Erkundung des Südpols geschehen ist.

Das Wesen des Greenland Dogs – Arbeitshund ohne Furcht

Grönlandhunde waren schon immer Arbeitshunde und sollten es auch bleiben. Sie sind für die ausdauernde Arbeit bei kalten Temperaturen geschaffen und fühlen sich in wärmeren Klimazonen einfach nicht wohl. Auch wenn Dein Hund im Sommer eher ruhig und gemütlich wirkt, wird er spätestens im Winter aufdrehen und mehrere Stunden täglich im Freien arbeiten wollen.

Eigenschaften von arktischen Hunden im Überblick

  • Der Jagdtrieb bei Grönlandhunden ist stark ausgeprägt. Sie jagen und töten nicht nur Kleintiere, sondern auch Rehe, Wildschweine oder Raubtiere, wenn sie die Chance dazu bekommen.
  • Die Packhunde sollten nicht allein gehalten werden. In großen Gruppen gemischten Gruppen mit Menschen und Artgenossen fühlen sie sich am wohlsten.
  • Sie sind keine One-Man-Dogs, respektieren aber hierarchische Strukturen. Ein Mensch sollte sich klar als Rudelführer inszenieren.
  • Mit Katzen und anderen Kleintieren können sie nur nach intensivem Training und mit guter Sozialisierung zusammenleben. Auch mit Kleinkindern sollten sie nicht unbeaufsichtigt gelassen werden.
  • Der Charakter des Greenland Dogs hängt stark vom Wetter ab: Bei Kälte ist er aktiv und fröhlich, bei Hitze lethargisch und reizbar.
  • Fremde werden lautstark und freundlich begrüßt. Als Wachhunde sind die menschenbezogenen Fellnasen deshalb kaum geeignet.
  • Die Vierbeiner bellen kaum, neigen aber zu spontanem Heulen.

Grönlandhund 02

Kann der Grönlandhund als reiner Begleithund gehalten werden?

Wird der Schlittenhund als reiner Familienhund gehalten, wird es schwierig bis unmöglich, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Für Singlehalter und unerfahrene oder unsichere Rudelführer ist die Rasse gar nicht geeignet. Musher (Zughundsportler) und Winterfans in bergigen Schneegebieten sind in Europa ideale Halter. Für Arbeitshunde in Rente und Begleithunde vom Huskytyp sind mehrstündige Märsche durch die freie Natur ein tägliches Muss – wenn Du die Zeit, den Platz und die Kondition für so einen vierbeinigen Wintersportler hast, wirst Du mit einem Grönlandhund mehr anfangen können als mit anderen, weniger robusten Rassen.

Grönlandhund Welpen erziehen – Auch für Hundekenner eine Herausforderung

Heranwachsende Grönlandhunde müssen ihren Platz in der Familienhierarchie erst noch finden. Besonders junge Rüden versuchen immer wieder zu dominieren und benötigen eine konsequente (aber sanfte) Erziehung mit klaren Regeln. Mit einem Schlittenhund sind regelmäßige Besuche in einer Hundeschule deshalb von Anfang an zu empfehlen. Anfänger sind mit dem selbstständigen Charakter der Tiere leicht überfordert.

Mushing für Schlittenhunde und Wintersportler

  • Carting (Wagenziehen)
  • Schlittenhunderennen
  • Skijöring: Die Hunde ziehen den Halter auf Skiern
  • Bikejöring: Eine Straßenvariante mit Fahrrad oder Skates
  • Pulka ziehen (Schlitten)

Abkühlung für Grönlandhunde im Sommer

Selbst im kühlen Grönland ruhen sich die Schlittenhunde im Sommer aus und arbeiten nur im Winter. Bei sommerlichen Höchsttemperaturen von etwa 10 Grad im Süden Grönlands und ganzjährigen Gletschern im Norden des Landes können sie sich immernoch genügend abkühlen. Denkbar schwer haben es die Arktishunde, wenn sie deutsche Sommer mit 30° oder sogar 40° Außentemperatur durchleben. In den Sommermonaten musst Du Deinen pelzigen Freund unbedingt in einem klimatisierten Bereich halten und kannst ihm zwischendurch mit kleinen Abkühlungen helfen:

  • Eiswürfel (auch mit eingefrorenen Snacks)
  • Pool zum Abkühlen
  • Ruheraum mit Klimaanlage
  • Kein Sport bei Temperaturen über 15 Grad
  • Kühlmatten und feuchte Handtücher

No-Gos für die Haltung von Arktishunden

  • Nicht als Kindermädchen geeignet (wie zum Beispiel Hütehunde)
  • Niemals ohne Leine führen (Jagd- und Autounfälle sind häufige Todesursachen in Europa)
  • Kein Stadthund
  • Kein Singlehund
  • Nichts für Anfänger

Grönlandhund 01

Je kälter, desto gesünder – So vermeidest Du Krankheiten beim Grönlandhund

Über typische Erbkrankheiten bei der Rasse ist nichts bekannt. Bei sportlichen und großen Rassen gibt es jedoch ein paar grundsätzliche Gesundheitsrisiken, die sich durch eine artgerechte Haltung minimieren lassen. Die Lebenserwartung der Arktishunde liegt bei etwa 12 Jahren.

Diese Krankheiten können bei allen großen Rassen vorkommen

  • Grönlandhunde neigen nicht zu erblich bedingten Gelenkproblemen, Hüftdysplasien und Knie- oder Ellenbogenprobleme können aber auch durch eine falsche Haltung auftreten. Zur richtigen Haltung gehört viel artgerechter Sport und die dazu passende Ernährung.
  • In ihrer Heimat ernähren sich Schlittenhunde von rohem Fleisch, da es kaum pflanzliche Nahrung gibt. Die Ernährung „“aus der Dose““ wird den empfindlichen Mägen der Tiere also nicht gerecht, da der Anteil an Kohlenhydraten zu hoch ist. Sprich den Ernährungsplan für Deinen Vierbeiner mit einem huskyerfahrenen Tierarzt ab.
  • Magendrehungen sind eine häufige Todesursache aller großen Rassen. Teile Mahlzeiten in mehrere kleine Portionen aus und lasse Deinen Vierbeiner nach dem Sport ruhen.

Fellpflege für frostdichtes Haar

Das Haar wird nie geschoren oder getrimmt – ohne intakten Pelz kann Dein Hund seine Körpertemperatur im Sommer noch schlechter regeln. Um lose Haare zu entfernen, kannst Du das Fell regelmäßig bürsten. Arktisrassen verlieren Unmengen von Haaren, die ohne Ausbürsten unkontrolliert in der Wohnung landen. Übrigens nutzen Vögel die Fellbüschel zu gern zum Nestbau im Garten – lege sie einfach an einem erhöhten Platz aus.

Grönlandhund Züchter in Deutschland und ganz Europa

In Grönland ist die Einfuhr von Grönlandhunden aus dem Ausland verboten – dort will man die Rasse völlig frei von Mischlingen halten, was bis heute gut gelingt. Europäische Grönlandhunde sind nicht immer zu 100 % reinrassig, da zur Entwicklung und Erhaltung des Typs ähnliche Rassen wie Malamutes und Canadian Huskys eingekreuzt werden. Auch Mischlinge aus Arktishunden und modernen Spitzrassen wie dem Elo werden in Europa öfter gezüchtet, in der Hoffnung, dass Welpen sich besser an das wärmere Klima anpassen können.

Züchter in Deutschland finden – Keine große Auswahl

  • Züchter mit FCI und VDH Zertifikaten sind im hiesigen Klima sehr selten. Wenn Du an Grönlandhund Welpen interessiert bist, solltest Du Dich weit im Voraus anmelden.
  • Im Züchterverzeichnis des Vereins für das Deutsche Hundewesen (VDH) sind keine Züchter gemeldet. Der Deutsche Club für Nordische Hunde e.V. verweist auf einen Züchter in Rheinland-Pfalz (Of Indian Valley).
  • Hier findest Du weitere Kontaktdaten von Grönlandhundzüchtern, eine Adresse führt nach Süddeutschland.
  • In der Schweiz sind kaum Züchter der Rasse aktiv. Hier findest Du einen Schweizer Züchter. Der Schweizer Klub für Nordische Hunde ist eine weitere gute Anlaufstelle für Interessenten von Grönlandhund Welpen in der Schweiz.
  • Im VRSÖ (Verband für reinrassigen Schlittenhundesport und Nachwuchsausbildung in Österreich) kannst Du anfragen, wenn Du Welpen in Österreich suchst.

Arktishunde kennenlernen

Bei arktischen Rassen kaufen manche Liebhaber die sprichwörtliche „Katze im Sack“. Viele Halter in Deutschland haben noch nie einen echten Grönlandhund gesehen und wissen beim Kauf gar nicht, worauf sie sich einlassen. Bevor Du einen nordischen Welpen kaufst, solltest Du die Hunde am besten einmal in Aktion gesehen haben. In Skandinavien gibt es viele deutschsprachige Angebote für Hundeschlittentouren. Erlebe die Hunde im Pack bei ihrer Arbeit und lerne die Rasse richtig kennen, bevor Du Dich nach einem Welpen umschaust.

Fazit: Der Grönlandhund bleibt ein Arbeitstier

  • Arktishunde fühlen sich nur bei kühlen Temperaturen wohl. Steigt die Temperatur über 15 Grad, sollten sie keinen Sport betreiben.
  • Trotzdem müssen die Arbeitstiere viele Kilometer am Tag zurücklegen und körperlich wie geistig ausgelastet werden.
  • Mit einem Grönlandhund Welpen wirst Du unweigerlich zum winterlichen Wanderfan und Musher.Am wohlsten fühlen sich die Felnasen bei der Arbeit im Pack.

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