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Alano Español – Ein seltenes Überbleibsel des mittelalterlichen Europas

Für sportliche Doggen wie den Alano Español oder den Dogo Canario gibt es heutzutage kaum noch eine sinnvolle Verwendung abseits des abschreckenden Effekts. Die prächtigen Kriegshunde aus Spanien sind heutzutage eher selten, dafür machen sie umso mehr Eindruck auf der Straße. Für Halter auf der Suche nach einem treuen Wachhund sind die farbenfrohen Vierbeiner bestens geeignet, vorausgesetzt natürlich, sie werden nicht im Zwinger gehalten und dürfen Teil der Familie sein.
Besonderheiten
  • Aktiver Schutzinstinkt
  • Aktiver Jagdtrieb
  • Liebt Wärme
  • Farbintensives Fell (oft gestromt)
  • Sehr menschenfreundlich

Rasseportrait: Alano Español

Andere Namen Alaunt (fälschlicherweise), Spanische Dogge, Spanish Bulldog
Herkunft Spanien
Klassifikation Wachhund, Arbeitshund
Größe Widerristhöhe bei Rüden 58 – 63 cm, Hündinnen 56 – 60 cm
Gewicht Rüden 30 – 40 kg, Hündinnen 25 – 35 kg
Körperbau Rechteckig, kurzer Hals mit leichter Wamme
Augen Rundliche Form, stechender Blick
Ohren Oft kupiert, eigentlich hängend
Fell & Farben Kurzes, zweischichtiges Fell, einfarbig oder gestromt
Besonderheiten Sportliche Dogge
Charakter Wachsam, intelligent, dominant, aktiv
Pflege Pflegeleicht trotz störrischer Haare
Gesundheit Hohe Lebenserwartung von ca. 14 Jahren
Zucht Boxer-Mischlinge kommen häufig vor (Stammbaum prüfen)

Das Erscheinungsbild eines Kämpfers – Merkmale des Alano Español

Alanos werden in ihrer spanischen Heimat immer noch häufig kupiert und sehen deshalb entsprechend scharf und einschüchternd aus. Er sieht dem bekannteren Staffordshire Bullterrier zum Verwechseln ähnlich, ist aber noch ein ganzes Stück größer. Auch der eng verwandte Dogo Canario ähnelt ihm in vielen Punkten, er ist jedoch deutlich schwerer und kräftiger. Da der Molosser bisher nur von spanischen Zuchtclubs anerkannt wird, findest Du nur über Google und hier einen englischsprachigen Standard.

Größe und Gewicht

  • Rüden messen am Widerrist zwischen 58 und 63 cm und wiegen bis zu 40 Kilogramm.
  • Hündinnen sind mit 56 bis 60 cm und maximal 35 Kilogramm schmaler und kleiner.

Erkennungsmerkmale

  • Der Kopf ist breit und würfelartig geformt, mit flacher Stirn und gut ausgeprägten Augenbrauen. Wie alle Doggen ist die Nase verkürzt (Brachycephalie) und sollte idealerweise 37 % der Gesamtlänge des Kopfes einnehmen. Zu stark verkürzte Nasen (weniger als 35 % der Kopflänge) schränken die Atmung ein und sind in der Zucht streng verboten.
  • Das Kinn sollte auch von vorn erkennbar sein. Von der Seite betrachtet hängt die lose Oberlippe über die Mundwunkel, sodass diese verdeckt werden. Der große Nasenschwamm ist immer schwarz und die Nasenlöcher sind weit geöffnet.
  • Ein stechender Blick ist charakteristisch für die rundlichen Augen, die bernsteinfarben, hellbraun, gelb oder orange sein dürfen. Sie sind von schwarz pigmentierten Lidern umrahmt.
  • Eigentlich tragen die Molosser Hängeohren, diese werden in Spanien jedoch häufig am Ansatz kupiert. Diese quälerische Praktik solltest Du mit einem Kauf nicht unterstützen! Kaufe nur Welpen mit vollständigen Hängeohren und melde Züchter, die in Deutschland kupierte Welpen anbieten.
  • Am breiten und kurzen Nacken sitzt die Haut lose und bildet eine leichte Wamme. Der Rücken fällt an der Kruppe leicht ab und der Körper ist insgesamt rechteckig, also etwas länger als hoch.
  • Vorder- und Hinterläufe sind lang und mit starken Knochen ausgestattet. Die Knie bilden einen Winkel von etwa 120 Grad und die parallel stehenden Vorderläufe sind muskelbepackt.
  • Bei Aufregung wird die Rute in einer Hakenform nach oben getragen. Sie ist am Ansatz relativ dick und verjüngt sich zur Spitze hin leicht.

Die bunten Farbkombinationen

Der Alano trägt immer eine schwarze Maske und sehr kurzes, eng anliegendes Fell mit dünner Unterwolle. An den Rückseiten der Läufe, an der Rute und am Nacken ist es nicht nennenswert länger als am restlichen Körper, manchmal aber etwas weicher. Er kommt einfarbig und gestromt vor, wobei besonders bei gestromten Exemplaren die Farbenvielfalt im Gencode der Tiere deutlich wird:

Gestromt ist nicht gleich gestromt

  • Die dunklen Streifen können breiter oder schmaler ausfallen und sich farblich stark vom meist helleren Untergrund absetzen.
  • Die Grundfarbe ist meist gelb, schwarz, beige, braun, rot, falb oder blau
  • Die gestromten Streifen (wenn vorhanden) sind schwarz, grau, blau oder braun
  • Weiße Abzeichen werden toleriert.

Die Geschichte des Alano Español – Der Hund der spanischen Eroberer

Der Alano hat wie der Dogo Canario eine kriegerische Vergangenheit. Man könnte den Canario als Inselvariante des Festland-Alanos betrachten, da er im Zuge der spanischen Eroberungszüge auf den afrikanischen Kontinent kam. Es ist außerdem nicht unwahrscheinlich, dass der Alano auf dem amerikanischen Kontinent zur Entwicklung von Curhunden beigetragen haben könnte, zweifelsohne stammen der Mexican Bulldog und des Cimarrón Uruguayo von ihm ab. Der Alano wird oft Alaunt genannt, was einigen Quellen zufolge falsch ist, da es sich um eigenständige Typen handelt.

Historische Meilensteine im Überblick

  • Die Vorfahren der Molosser kamen aus dem heutigen Iran und beschützten das Nomadenvolk der Alanen nach deren Vertreibung im 5. Jahrhundert auf ihrem Weg quer durch Zentraleuropa.
  • Im 14. und 15. Jahrhundert war der Alano in Spanien ein weit verbreiteter Jagd- und Wachhund und bekannt für seine schönen Farbkombinationen. Auch als Schlachthund und Treibhund für Vieh kam er zum Einsatz.
  • Alanos wurden in spanischen Kolonien als Kriegshunde eingesetzt und zum Fangen von Sklaven benutzt.
  • Bis zum Verbot von Hundekämpfen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Alanos in Arenenkämpfen Hund gegen Hund oder Hund gegen Stier (cebo de toros) eingesetzt.
  • Lange wurden die Molosser nicht gebraucht. In den 1960ern galt die Rasse sogar als ausgestorben.
  • Erst in den 1990ern begannen Züchter in Spanien, reinrassige Wachhunde zu suchen und die Zucht nach Standard neu zu beleben. Seit 1995 wird die Rasse in Spanien anerkannt (Real Sociedad Canina de España), der FCI erkennt sie bisher nicht an.

Das Wesen des Alano – Ein dominanter Spanier mit Temperament

Aufgrund seines dominanten Wesens und des ausgeprägten Schutztriebs wird der Alano Español in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen als Listenhund geführt. Die Haltung ist in diesen Bundesländern bewilligungspflichtig und es gelten strenge Maulkorbvorschriften und Leinenzwang. Mit dem ehemaligen Kampfhund ist also nicht zu spaßen – der Alano ist nur etwas für erfahrene Halter, die bereit sind, Zeit und Geld in eine gute Erziehung mitsamt Wesenstest zu investieren.

Der Charakter in Stichpunkten

  • Er verhält sich dominant und bleibt in der Gegenwart von Fremden und im Freien immer ernst und wachsam.
  • Mit Artgenossen kommen Rüden und Hündinnen kaum zurecht. Kleine Frechheiten werden streng von ihnen bestraft und sie lassen sich leicht vom gleichen Geschlecht provozieren, was in gewaltsamen Kämpfen endet, wenn sie nicht zurückgehalten werden.
  • Sein aktiver Jagdtrieb zeigt sich bei kleinen und großen Tieren. Mit guter Erziehung kann diese Neigung aber kontrolliert gemäßigt werden.
  • Am liebsten verbringt er Zeit im Freien und bewacht Haus und Hof. Wenn Du den Alano nicht beruflich einsetzt, solltest Du ihm ein anspruchsvolles Beschäftigungsprogramm bieten.
  • Fremden begegnet er grundsätzlich skeptisch. In der Familie zeigt er sich liebevoll und verschmust, da er eine niedrige Reizschwelle hat, sollte er aber nicht unbeaufsichtigt mit Kindern bleiben.

Kein Wachhund für Couchpotatoes

Der Molosser braucht eine sinnvolle Aufgabe und viel Bewegung, allerdings verträgt er weder zu heiße noch zu kalte Temperaturen. In der spanischen Mittagssonne faulenzt er gern im Schatten. Bei Minustemperaturen kannst Du Deinen Hund ohne Jacke ausführen, er sollte aber in Bewegung bleiben und nicht in der Kälte herumstehen oder gar im Outdoor-Zwinger verharren müssen.

Die Erziehung des Alano Español – Nichts für Anfänger

Kampfhunde wie der Alano brauchen eine sanfte aber konsequente Erziehung. Auch erfahrene Hundehalter schaffen das nicht allein: Schon früh sollte Dein Alano Welpe die Hundeschule besuchen und soziale Kontakte knüpfen. Mit etwa 18 Monaten ist er bereit für eine Wesensprüfung. In der Prüfung wird das Verhalten in Stresssituationen getestet – mit speziellen Kursen in der Hundeschule kannst Du Deinen jungen Draufgänger auf die Prüfung und sein Erwachsenenleben vorbereiten. Halter und Züchter sind begeistert von der kontrollierten Schärfe der Rasse – mit dem richtigen Training zeigen sie nie unerwünschte Aggressionen.

Professionelle Einsatzzwecke

  • Schutzhund
  • Wachhund
  • Polizeihund
  • Jagdhund

Training für Muskeln und Köpfchen

  • Kombiniere sportliche Einheiten mit Such- und Intelligenzspielen, um Deinen Hund rundum zu fordern.
  • Ballspiele machen Spaß, sie fördern aber auch den Jagdtrieb und sollten deshalb nicht zu exzessiv betrieben werden. Auch Frisbees werden zu gern gefangen und zerkaut.
  • Mit seinem kräftigen Kiefer beißt der Alano auch robuste Kauspielzeuge schnell durch. Trotzdem sollten jederzeit verschiedene Kaugelegenheiten (Seile, Kaustöcke, Schweineohren usw.) im Haus ausliegen.

Pflege und Gesundheit – widerstandsfähig und stark

Typische Krankheiten von Doggen sind Alanos aus guter Zucht unbekannt: Sie sind trotz Kurzatmigkeit sehr sportlich und leben im Durchschnitt 14 Jahre. Da die Rasse kurzzeitig so gut wie ausgestorben war, dann aber in ganz Europa von Hundeliebhabern wiederentdeckt wurde, sind einige europäische Linien jedoch erblich vorbelastet und weisen zum Beispiel gehäuft einen Vorbiss auf. Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen kannst Du Deinen Vierbeiner bestmöglich schützen und schonen:

Darauf müssen Halter achten

  • Ernährung: Die spanische Dogge ist verfressen und nimmt jeden Snack an. Übergewicht schlägt ihr schnell auf die Gesundheit, deshalb solltest Du bei Deinem Welpen auf eine schlanke Linie achten.
  • Belastung: Während des Wachstums braucht ein Hund viel Ruhe und spezielles Welpenfutter. Auch im Erwachsenenalter sollte er keine Treppen steigen oder unnatürliche Sprünge vollführen. Gleichzeitig darf er nicht überlastet werden.
  • Kein Kupieren: Das Kupieren der Ohren bei Welpen wird bei dieser Rasse immer noch häufig durchgeführt, für seriöse Züchter sollte es aber absolut tabu sein und in Deutschland ist es außerdem illegal.
  • Hygiene: Ohren, Falten und Zähne sollten sauber gehalten werden, um Entzündungen zu vermeiden. Werden die Krallen zu lang, müssen sie gekürzt werden.

Haarpflege – Kurz bedeutet nicht immer einfach

Das kurze Fell der Rasse ist zwar pflegeleicht und verknotet sich nicht, er verliert aber das ganze Jahr über störrische Haare, die sich auf vielen Oberflächen festsetzen. Auch mit Flusenrollen oder Staubsaugern sind die Haare manchmal kaum zu entfernen. Mit täglichem Bürsten kannst Du allzu viel unkontrollierten Haarverlust vermeiden.

Alano Español beim Züchter kaufen: Die deutsche Zucht nimmt Fahrt auf

Die spanischen Dogge wird zwar nicht vom FCI anerkannt, trotzdem gibt es einige aktive Züchter in Deutschland, die sich in zwei Clubs aufteilen. Viele Züchter sind der Ansicht, dass es den ursprünglichen Alano eigentlich nicht mehr gibt: Die Kopfform hat sich im letzten Jahrhundert stark verändert, nicht zuletzt, weil viele Hochstapler Boxer-Mischlinge als reinrassige Alanos verkaufen. Angeblich ist der Dogo Canario dem ursprünglichen Alano heute viel ähnlicher als seine Verwandten auf dem Festland.

Hier findest Du Züchter in Deutschland

Auf diese Warnzeichen solltest Du achten

  • Kaufe nie Tiere, die an den Ohren oder an der Rute kupiert sind. Angeborene Stummelruten und fehlende Ruten kommen tatsächlich auch natürlich vor, was vom Tierarzt bescheinigt werden kann.
  • Vor der Zucht sollte ein Tierarzt die Gesundheit der Zuchthunde bescheinigen. Tiere mit Augen- oder Zahnproblemen, Herzproblemen und anderen chronischen Erkrankungen oder Krankheitsanfälligkeiten sollten aus der Zucht ausscheiden.
  • Bei seltenen Rassen wie dem Alano gilt dem Stammbaum der Welpen besondere Aufmerksamkeit. Er sollte möglichst lückenlos zurückzuverfolgen sein, um inzüchtige Verpaarungen auszuschließen.

Fazit: Der Alano Español ist eine Musterdogge

  • Er ist Arbeitshund, Wachhund und Familienhund zugleich. Ein wohlerzogener Alano zeigt nie unerwünschte Schärfe und lässt sich leicht zurückrufen.
  • Wird er nicht „wohlerzogen“, sind die Probleme vorgezeichnet: Vernachlässigung führt zu destruktivem Verhalten und Frust. Er muss sportlich und geistig ausgelastet werden.
  • Als gebürtiger Kriegs- und Kampfhund kommt er nur mit ausgewählten Artgenossen zurecht, die er lange kennt. Auch die Haltung mit kleinen Kindern könnte problematisch werden, wenn seine Grenzen nicht respektiert werden.

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